pfeil-icon

Verfahren des Sondergerichts

Lesen Sie hier mehr über alle Verfahren des Sondergerichts am Landgericht Bayreuth in den Jahren 1942 bis 1945. Mittels der Suchfunktion können Sie auch nach Namen suchen.

Fortgesetztes Verbrechen nach § 4 VolksschädlingsVO i.V.m. einem fortgesetzten Vergehen des Betrugs nach § 263 RStGB / Urteil vom 24.11.1943

SG 52/43
SG Js 199/43
StABa Rep K 106 Nr. 90

Waege, Thea

Geburtstag 20.06.1925 in Neuhaus / Elbe
BerufFabrikarbeiterin
Familienstandledig
Wohnort Hamburg I, Norderstraße 81
27.09.1943
Beschreibung der angelasteten Tat

Die Angeklagte war als Fabrikarbeiterin in Hamburg beschäftigt. Infolge der Luftangriffe auf
die Stadt verließ sie Hamburg zunächst Richtung Schwerin, anschließend zog sie nach
Freiburg und von dort nach Bayreuth.


Der Angeklagten wurde zur Last gelegt, sich in diesen Orten als „Fliegergeschädigte“
ausgegeben zu haben, obwohl ihre Hamburger Wohnung unbeschädigt geblieben sei. Hierauf
habe sie mehrfach zu Unrecht soziale Leistungen bezogen.
 

Die Beschuldigte wurde am 12.08.1943 festgenommen und befand sich seit 13.08.1943 in
Untersuchungshaft im Gerichtsgefängnis Bayreuth.

 

Mit Datum 27.09.1943 erhob die Staatsanwaltschaft wegen fortgesetzten Verbrechens nach § 4
Volksschädlingsverordnung i.V.m. einem fortgesetzten Vergehen des Betrugs nach § 263 RStGB Anklage
um Sondergericht Bayreuth.
 

In der Verhandlung des Sondergerichts vom 11.10.1943 und 24.11.1943 beantragte die
Staatsanwaltschaft, die Angeklagte wegen eines fortgesetzten Vergehens des Betrugs zur 
Gefängnisstrafe von 1 Jahr und zur Tragung der Kosten zu verurteilen.

Im Verhandlungstermin vom 11.10.1943 war das Sondergericht mit Dr. Lenz und Dr. Becher, im Verhandlungstermin
vom 24.11.1943 (und damit auch bei Urteilsverkündung) mit Brehm und von Voithenberg besetzt. 

24.11.1943
Urteil

Tenor:

Die Angeklagte hat sich in mehreren Fällen wahrheitswidrig als Bombengeschädigte
ausgegeben und Unterstützungen erschwindelt und zu erschwindeln versucht. Sie wird
wegen fortgesetzten vollendeten und versuchten Betrugs zur Gefängnisstrafe von einem
Jahr
kostenfällig verurteilt.

3 Monate 1 Woche der Untersuchungshaft werden angerechnet.  

Vollstreckung

21.12.1943                  Verlegung in das Frauenjugendgefängnis Hohenleuben

21.01.1944                  Verlegung in das Frauengefängnis Rothenfeld

16.08.1944                  Haftentlassung nach vollständiger Verbüßung

Dr. Frhr. Voith von Voithenberg, Hans

1Richter.png

Dr. Lenz, Ernst

02_Kollektionen/Richter/Ernst

Brehm, Rudolf

02_Kollektionen/Richter/Brehm/Brehm_Passfoto_BArch

Dr. Becher, Maximilian

Krumbholtz, Karl

02_Kollektionen/Staatsanwälte/Krumbholtz/Krumbholtz_Passfoto_BArch

Dr. Weißenberger, Heribert

Staatsanwälte/IMG_5396.jpeg
Dokumente