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Dr. Lenz, Ernst

02_Kollektionen/Richter/Ernst
geb. am 05.09.1897 in Niederlamitz
Dr. jur. Gottfried Ernst Karl Lenz wurde am 05.09.1897 in Niederlamitz als einziger Sohn des Försters Hans und seiner Ehefrau Margarete Lenz geboren. Lenz war evangelisch-lutherisch.
Er war seit 25.08.1938 verheiratet mit Anna Luise Frieda Lenz, geb. Moll (geb. 26.12.1909 in München). Die Ehe blieb kinderlos.

Während seiner beruflichen Tätigkeit in Coburg (bis 30.04.1933) wohnte er in der dortigen Bahnhofstr. 33, während seiner Nürnberger Zeit (bis 31.07.1934) in Nürnberg, Fürtherstr. 21. Während seiner beruflichen Tätigkeit in Weiden wohnte er in der dortigen Johannisstraße 17. In Bayreuth wohnte er zunächst in der Leopoldstraße 10 (bis 25.08.1938), anschließend (bis 15.01.1939) in der Leopoldstr. 16, seit 16.01.1939 und bis zu seinem Tod im Anwesen Humboldtstr. 11.

Dr. Lenz starb - verwitwet - am 08.06.1979 in Bayreuth. 
 

Lenz besuchte von 1904 bis 1907 die Volksschule in Kirchenlamitz, anschließend das humanistische Gymnasium in Bayreuth. Nach dem Abitur im Juni 1916 studierte er Rechtswissenschaft an der Universität München

Am 19.07.1920 bestand Dr. Lenz an der Universität München die Erste Staatsprüfung. Nach seinem Vorbereitungsdienst am Amtsgericht Bayreuth legte er im Mai 1923 (mit der Punktzahl 74) die Zweite Juristische Staatsprüfung ab, zu jener Zeit genannt die „Große Staatsprüfung“. Bereits zuvor, im Jahr 1922, promovierte er („cum laude“) an der Universität Erlangen.

 

Vom 01.01.1924 bis 31.01.1925 arbeitete er als juristischer Mitarbeiter in der Bayreuther Rechtsanwaltskanzlei Dr. Thoma, vom 01.02.1925 bis 14.12.1925 als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an der Handwerkskammer für Oberfranken.  

Seit 15.12.1925 war er Assessor, und zwar 
  • vom 15.12.1925 bis 14.01.1926 bei der Staatsanwaltschaft Bayreuth und
  • vom 15.01.1926 bis 31.05.1926 bei dem Amtsgericht Garmisch.
Vom 01.06.1926 bis 14.12.1926 war er als Amtsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Straubing tätig, vom 15.12.1926 bis 31.12.1928 war er bei dieser Behörde III. Staatsanwalt.
  • Vom 01.01.1929 bis 30.04.1933 war er Amtsgerichtsrat am AG Coburg
  • Vom 01.05.1933 bis 31.07.1934 war er 1. Staatsanwalt bei der StA Nürnberg-Fürth
  • Vom 01.08.1934 bis 31.03.1937 war er Landgerichtsrat bei dem LG Weiden.
Am 01.04.1937 wurde er als Landgerichtsrat an das LG Bayreuth versetzt. 
 
Ab 1938 bewarb sich Dr. Lenz außergewöhnlich oft, allerdings jeweils vergeblich, um Beförderungsstellen, so
  • im Juli 1938 auf die Stelle eines LG-Direktors bei dem Landgericht Bayreuth,
  • im Oktober 1938 auf die Stelle eines LG-Direktors bei dem Landgericht Bamberg,
  • im selben Monat auf die Stelle eines LG-Direktors bei dem Landgericht Regensburg, Dienstsitz Straubing,
  • im März 1939 auf die Stelle eines OLG-Rates bei dem OLG München,
  • im Juli 1939 auf die Stelle eines LG-Direktors bei dem Landgericht Landshut,
  • im Januar 1941 auf die Stelle eines LG-Direktors bei dem Landgericht Nürnberg-Fürth,
  • im Februar auf die Stelle eines LG-Direktors bei dem Landgericht Weiden,
  • im April 1942 auf die Stelle eines LG-Direktors bei dem Landgericht München I.
Am 01.08.1942 wurde er schließlich doch noch befördert, und zwar zum Amtsgerichtsdirektor am AG Coburg.

Im Januar 1943 wurde Dr. Lenz - als Ersatz für Rudolf Brehm - vom Reichsjustizministerium zum neuen Leiter der Justizabteilung im Generalgouvernement ernannt. Dr. Lenz erlitt daraufhin einen „Nervenzusammenbruch“, sodass seine Ernennung rückgängig gemacht wurde und nicht er, sondern der frühere Vorsitzender des Sondergerichts in Krakau, Landgerichtsdirektor Dr. Hans Hoffmann, Brehms Nachfolger in Lemberg (heute Lwiw / Ukraine) wurde.

Zum 01.05.1943 erfolgte die Ernennung von Dr. Lenz zum Oberlandesgerichtsrat am OLG Bamberg.

Sowohl die Stelle in Coburg als auch jene am OLG Bamberg trat Dr. Lenz jedoch nicht an, sondern blieb - als jeweils abgeordneter Richter - mit den jeweiligen Amtsbezeichnungen „Amtsgerichtsdirektor“ und „Oberlandesgerichtsrat“ weiterhin am Landgericht und - als stellvertretender Vorsitzender -  am Sondergericht Bayreuth tätig.

Im November 1944 wurde Dr. Lenz an das AG Wunsiedel zur Vertretung des in Kriegsgefangenschaft geratenen Amtsgerichtsdirektors abgeordnet.

Dr. Lenz war als Richter in den Jahren 1942 bis 1944 an insgesamt 19 Bayreuther Sondergerichtsverfahren beteiligt.

 

​​​​​Dr. Lenz war
  • Mitglied in der NSDAP seit 01.05.1935 (Mitglieds-Nr. 3 645 195); während seiner beruflichen Tätigkeit in Weiden war er dort „Verbindungsmann zum Kreisring für NS-Propaganda und Volksaufklärung“
  • Gaumitarbeiter im Gaurechtsamt von 1938 bis 1942
  • Mitglied in der NSV seit 01.11.1935
  • Mitglied im RDB seit 01.10.1935
  • Mitglied im NSRB seit 25.11.1933, dort seit 21.05.1937 auch Gaupressewart
  • Mitglied im Reichskolonialbund seit Oktober 1936
  • Mitglied im Reichsluftschutzbund seit 17.02.1936
In den letzten Kriegsmonaten war Dr. Lenz auch am sog. „Volkssturm“ in Bayreuth beteiligt.
Im Zeitraum Juli bis November 1945 war Dr. Lenz von der amerikanischen Militärregierung mit „der Ausführung eines Sonderauftrages in der Nachforschungsarbeit beim Landgericht Bayreuth“ betraut.
Am 16.07.1947 entschied die Spruchkammer II Bayreuth-Stadt (Az. II/861/47):

Der Betroffene ist nach Art. 4/4 des Gesetzes in die Gruppe IV der Mitläufer eingereiht worden.
Es werden ihm folgende Sühnemaßnahmen auferlegt:
Ein einmaliger Beitrag zum Wiedergutmachungsfond in Höhe von RM 1500,-- (eintausendfünfhundert)
Außerdem hat er die Kosten des Verfahrens zu tragen.
Der Streitwert wird auf RM 10600,-- festgesetzt.

Seine Tätigkeit für das Sondergericht Bayreuth fand in dieser Entscheidung nicht einmal Erwähnung.

Dr. Lenz wurde anschließend wieder bei der bayerischen Justiz eingestellt. Ab dem 16.05.1948 war er erneut Landgerichtsrat bei dem Landgericht Bayreuth. Zwei Jahre später, am 16.05.1950, wurde er dort zum Landgerichtsdirektor und, zum 01.09.1955, sogar zum Prädidenten des Landgerichts Bayreuth befördert. 

Dr. Lenz wurde außerdem ab 01.10.1955 zum Vorsitzenden der Bayerischen Dienststrafkammer Bayreuth ernannt. Zu seinem Stellvertreter wurde Adolf Paulus (vgl. Biografie dort), zu jener Zeit LG-Direktor bei dem Landgericht Bayreuth, ernannt. 

Ab 1957 erkrankte der mittlerweile 60jährige Dr. Lenz mehrfach und zum Teil längerdauernd dienstunfähig. Auf seinen Antrag hin wurde er schließlich mit Ablauf des 31.07.1958 in den Ruhestand versetzt. 

Am 08.06.1979 verstarb Dr. Lenz in Bayreuth.
  • BArch R 9361/II/631196
  • BArch, VBS 1018 (R 3001)/ZB II 1642 A. 09, Schreiben des Reichsministers der Justiz betr. Abordnung des Amtsgerichtsdirektors Dr. Ernst Lenz vom Amtsgericht Coburg in das Generalgouvernement vom 15.01.1943, Bl. 25
  • BayHStA MJu 25566
  • StABa Spruchkammerakten Bayreuth Stadt II L 56 Humboldtstr. 11
  • Personalakten des OLG Bamberg
  • Stadtarchiv Bayreuth