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Dr. Weißenberger, Heribert

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geb. am 10.02.1905 in Wargolshausen / Bad Neustadt a.d.S.

Dr. Heribert Weißenberger wurde am 10.02.1905 in Wargolshausen / Krs. Bad Neustadt a.d.S. als Sohn des Oberlehrers Karl Weißenberger und seiner Frau Anna, geb. Heil, geboren. Er besaß die röm.-kath. Konfession.

Am 10.09.1935 heiratete er Isabella Hofmann, geb. am 08.07.1910 in Maßbach / Bad Kissingen. Die Eheleute hatten zwei Kinder.

Dr. Weißenberger wohnte u.a. in Kulmbach, Negeleinstr. 22/I.

Er verstarb am 05.01.1984 in Margetshöchheim / Würzburg.

Heribert Weißenberger besuchte von 1911 bis 1915 die Volksschule Falsbrunn, anschließend, von  1915 bis 1923, das humanistische Gymnasium in Würzburg, wo er 1923 das Abitur machte.

Unmittelbar danach, noch im Jahr 1923, begann er sein Jurastudium an der Universität Würzburg, das, unter Einschluss eines Sommersemesters an der Universität München im Jahr 1925, bis 1927 andauerte.

Am 25.02.1927 legte er erfolgreich (bestanden) die Erste Juristische Staatsprüfung ab und bagann am 10.03.1927 seinen  bis 1930 andauernden Vorbereitungsdienst als Gerichtsreferendar bei dem Amtsgericht Schweinfurt.

Am 23.07.1930  legte er die Große Staatsprüfung (77 Punkte, Platz 114 von 422) ab. 

Bereits am 29.11.1928 hatte er mit „cum laude“ promoviert. Das Thema seiner Dissertation lautete "Das Verbrechen der Bigamie, § 171 RStGB“ (Rechts- u. staatswissenschaftliche Dissertation, Universität Würzburg, 1928, von Heribert Weissenberger, Arnstein, 51 S.).
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Vom 23.04.1930 bis 01.09.1932 arbeitete Dr. Weißenberger zunächst als juristischer Mitarbeiter bei Rechtsanwalt Dr. Nebel in Karlstadt a.M. Seine weiteren beruflichen Stationen waren folgende:

  • ab 01.09.1932   Gerichtsassessor bei der Gefangenenanstalt Amberg und der StA Amberg
  • ab 01.05.1933   Amtsanwalt bei dem Amtsgericht Rothenburg o.d.T
  • ab 01.12.1933   Amtsgerichtsrat  bei dem Amtsgericht Kulmbach
  • ab 01.05.1937   Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Eltmann


Am 23.11.1942 wurde Dr. Weißenberger Amtsgerichtsrat am Amtsgericht Bayreuth und von dort auch an die Staatsanwaltschaft  Bayreuth abgeordnet. Bis Kriegsende im April 1945 wurde er zudem  zwischenzeitlich auch an die Staatsanwaltschaften Bamberg und Schweinfurt abgeordnet.

Dr. Weißenberger war seit dem 23.11.1942 und bis Kriegsende an mehr als 60 Sondergerichtsverfahren in Bayreuth beteiligt, die in 6 Fällen mit einem Todesurteil endeten.

Dr. Weißenberger war seit 1922, erneuert am 01.09.1938 Mitglied im Volksbund für das Deutschtum im Ausland, Landesverband Bayern, MitgliedsNr. 129 087. Dort war er seit 12.06.1940 Bannwart und stellvertretender Gruppenleiter.

Außerdem war er seit 

  • 08.12.1933    Mitglied im BNSDJ, MitgliedsNr. 31746
  • 01.11.1934      Mitglied des NSV; MitgliedsNr. 3095750
  • 01.05.1935    Mitglied der NSDAP, MitgliedsNr. 3 659 0136
  • 01.04.1936    Mitglied im Reichsbund der Deutschen Beamten, MitgliedsNr. 1458972
  • 01.01.1937     Mitglied im Reichskolonialbund, MitgliedsNr. 47198 (vgl. Dokumente)

Dr. Weißenberger wurde am 06.01.1946 auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung aus dem Staatsdienst entlassen.

Von April 1946 bis März 1947 verdingte er sich als Angestellter (Bürohilfskraft) bei den Mineral- und Granitwerken Hofmann in Schweinfurt.

Im sog. Entnazifizierungsverfahren beantragte der öffentliche Kläger bei der Spruchkammer Haßfurt mit Klageschrift vom 13.11.1946, Weißenberger in die Gruppe II der Belasteten einzureihen.

Die Spruchkammer Haßfurt (Az. H 46/399) entschied am 03.12.1946 (vgl. auch Dokumente):

I. Der Betroffene ist Mitläufer.
II. Er hat einen Sühnebetrag von 1200,-- RM - eintausendzweihundert Reichsmark - zu entrichten.
III. Er hat die Kosten zu tragen. Der Streitwert wird auf 6800,-- RM festgesetzt.
IV. Die Gebühr beträgt 272,-- RM


Mit Schreiben vom 11.01.1947 ersuchte der  Bürgermeister der Stadt Eltmann, Dr. Weißenberger die Führung des dortigen Amtsgerichts zu übertragen (vgl. Dokumente).

Bereits am 11.03.1947 wurde Dr. Weißenberger wieder bei der bayerischen Justiz eingestellt, und zwar als Amtsgerichtsrat bei dem AG Eltmann. Von dort wurde er zunächst bis einschließlich 15.07.1948 an das AG Coburg abgeordnet. 

Das offensichtliche Fehlen von Prinzipien bei der Grundeinstellung deutscher Richter zu ihrem Beruf und der damit verbundenen Verantwortlichkeit kommt beispielhaft bei den wechselnden Eidesformeln zum Ausdruck, die deutsche Richter, in diesem Fall Weißenberger (am 01.2.1933, am 25.08.1934 und am 18.03.1947), im Laufe der sich wandelnden Zeiten ableisteten (vgl. Dokumente).

Der weitere berufliche Werdegang von Dr. Weißenberger in der Nachkriegszeit war folgender:

  • ab 16.07.1948  Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Eltmann
  • ab 16.04.1952  Oberamtsrichter bei dem AG Forchheim
  • ab 01.04.1957  Amtsgerichtsdirektor bei dem AG Forchheim

Am 01.04.1967 wurde Dr. Weißenberger in den Ruhestand versetzt.

Er starb am 05.01.1984 in Margetshöchheim bei Würzburg.

  • StABa Spruchkammer Haßfurt H 46/399
  • BArch/VBS 1018 (R 3001)/ZB II 1700 A. 03    
  • BArch R 9361/II/1183112
  • BArch R 3001/194514             
  • BayHStA MJu 26401
  • StACo (Staatsarchiv Coburg) AG Co 70653
  • Markus Materna „Richter der eigenen Sache“, Nomos-Verlag, 1. Aufl. (2021), S. 140, 183, 288f., 541
  • Braunbuch, Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik und in Westberlin, Staatsverlag der DDR, 3. Aufl. 1968 https://www.yumpu.com/de/document/read/21342820/braunbuch-volksbetrugnet (dort S. 253)