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Verfahren des Sondergerichts

Lesen Sie hier mehr über alle Verfahren des Sondergerichts am Landgericht Bayreuth in den Jahren 1942 bis 1945. Mittels der Suchfunktion können Sie auch nach Namen suchen.

Fortgesetztes Verbrechen nach § 4 VolksschädlingsVO / Urteil vom 02.03.1943

SG 8/43
SG Js 8/43
StABa Rep K 106 Nr. 51

Hofmann, Hedwig, geb. Ott

Geburtstag01.03.1920 in Unterdürrbach b. Würzburg
BerufPostfacharbeiterin
Familienstandverheiratet
Wohnort Marktschorgast Hs.Nr. 69
23.02.1943
Beschreibung der angelasteten Tat

Die Angeklagte war seit 17.11.1941 bei dem Postamt Neuenmarkt als Postfacharbeiterin

(Kriegsaushilfe) beschäftigt. Ihr wurde zur Last gelegt, sich im Oktober und November 1942
in mehreren Fällen den Inhalt von Feldpostpäckchen (u.a. seidenes Kopftuch, Damenstrümpfe,
Seife, Süßigkeiten) angeeignet zu haben.
 

Die Beschuldigte wurde am 21.01.1943 festgenommen und befand sich seit 22.01.1943 in
Untersuchungshaft.
 

Mit Datum 23.02.1943 erhob die Staatsanwaltschaft wegen fortgesetzten Verbrechens nach § 4
Volksschädlingsverordnung Anklage zum Sondergericht Bayreuth.
 

In der Verhandlung des Sondergerichts vom 02.03.1943 beantragte die Staatsanwaltschaft, die 
Angeklagte wegen fortgesetzten Verbrechens nach § 4 Volksschädlingsverordnung i.V.m. §§ 350, 354, 348,
349, 243 Ziff. 4, 133 Abs. 2. 73 RStGB zur Zuchthausstrafe von 3 Jahren, Aberkennung der bürgerlichen
Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren, zur Geldstrafe von 20 RM, ersatzweise 2 Tagen Zuchthaus,
sowie zu den Kosten zu verurteilen.

 

02.03.1943
Urteil

Tenor:

  1. Die Angeklagte wird wegen fortgesetzter Unterschlagung von Feldpostpäckchen im
    Amt als Volksschädling zur Zuchthausstrafe von 2 Jahren 6 Monaten, zur Geldstrafe
    von 100 RM
    , ersatzweise 10 Tage Zuchthaus, und zu den Kosten verurteilt.
  2. Der Angeklagten werden die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren
    aberkannt.
  3. Auf die erkannte Freiheitsstrafe wird ein Monat der erlittenen Untersuchungshaft
    angerechnet.
Vollstreckung

03.03.1943      Haftentlassung wegen Schwangerschaft

09.07.1943       Verfügung der StA Bayreuth:
                         Mit Rücksicht auf die am 15.06.1943 erfolgte Niederkunft bleibt die
                         Strafvollstreckung bis zum 15.09.1943 ausgesetzt.

15.09.1943       Strafantritt im Frauenzuchthaus Aichach

12.12.1943        Gesuch der Verurteilten auf Strafunterbrechung, da ihr Ehemann in Russland
                         gefallen war.

20.12.1943       Leiter des Zuchthauses Aichach tritt dem Gesuch nicht entgegen.

04.01.1944       Beschluss der StA Bayreuth:

                         Gesuch der Verurteilten vom 12.12.1943 wird zurückgewiesen.
 

17.02.1944        Mitteilung des Zuchthauses Aichach, dass die Ersatzzuchthausstrafe von 10
                         Tagen im Anschluss an die Vollstreckung der verhängten Zuchthausstrafe
                         vollstreckt wird, da die Verurteilte nicht in der Lage sei, die Geldstrafe von 100
                         RM zu bezahlen.

10.10.1944        Mitteilung des Zuchthauses Aichach, dass die Verurteilte mit 7 Tagen Arrest
                         belegt werden musste, da sie verbotene Eigenmacht betrieben habe.
                         Neues Strafende somit 20.02.1946 (statt 13.02.1946)
 

13.04.1945       Vorzeitige Entlassung aufgrund Anordnung des Reichsjustizministeriums, die
                         Strafanstalten „vor dem Einmarsch der feindlichen Truppen“ zu räumen.
 

07.06.1947      Beschluss der Strafkammer des LG Bayreuth:

                        Das Urteil des SG Bayreuth vom 02.03.1943 wird dahingehend abgeändert, dass die Angeklagte wegen eines
                        fortgesetzten Vergehens der Amtsunterschlagung, eines fortgesetzten Vergehens der Verletzung
                        des Postgeheimnisses und eines fortgesetzten  Vergehens des gewinnsüchtigen Verwahrungsbruchs,
                        sämtliche Straftaten in Tateinheit  stehend - anstelle der ausgeworfenen Zuchthausstrafe von 2 Jahren 6  Monaten -
                         zur  Zuchthausstrafe von 1 Jahr 3 Monaten verurteilt wird.

                        Im Übrigen bleibt das Urteil aufrechterhalten.

 

24.09.1947     Entschließung des Bayer. Staatsministeriums der Justiz (Gn 76/47):                                                             
                       Die Folgen der Verurteilung zu Zuchthaus werden aufgehoben.

 

24.10.1947      Strafzeitberechnung der StA Bayreuth:                                                                                                         
                        1 Jahr 3 Monate Zuchthausstrafe + 10 Tage Ersatzzuchthausstrafe
                        abzgl. 1 Monat Untersuchungshaft waren bereits am 24.11.1944 verbüßt.                                                             
                        Die Verurteilte befinde sich aufgrund der Entschließung vom 24.09.1947
                        auch wieder im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte.

Dr. Frhr. Voith von Voithenberg, Hans

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Brehm, Rudolf

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Dr. Beutner, Richard

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Krumbholtz, Karl

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Krumbholtz, Karl

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