Der elende Gefangenentransport im Februar 1945

- Matthias Burghardt -

Das Schicksal der Untersuchungshäftlinge des Volksgerichtshofs in den letzten Monaten des 'Dritten Reichs'

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Das Schicksal der Untersuchungshäftlinge des Volksgerichtshofs in den letzten Monaten des 'Dritten Reichs'

von Prof. Dr. Philipp Oswalt
(Stand seiner Forschung Februar 2025)

Am 3. Februar 1945 wurde das Gebäude des Volksgerichtshofs in Berlin von mehreren Bomben getroffen und so schwer beschädigt, dass dort keine Prozesse mehr stattfinden konnten. Bei dem Bombardement kam auch der Präsident des Volksgerichtshofs, Roland Freisler, ums Leben. Zwei Tage später beschloss Hitler, der Volksgerichtshof solle nach Potsdam ausweichen, sein Sitz solle jedoch weiterhin nach wie vor Berlin sein. Zugleich sollten, wie Justizminister Thierack notierte, "die gefährlichen Hochverräter, namentlich Ausländer, nach Bayreuth transportiert werden, wo in Zukunft entsprechende Senate des Volksgerichtshofs urteilen sollen."(1)

Einen Tag nach Hitlers Entscheidung informierte der Senatspräsident Hecker vom Reichsjustizministerium den Generalstaatsanwalt in Bamberg: "Nach Entscheidung des Herrn Minister sollen die wegen Hoch- und Landesverrat einsitzenden Untersuchungsgefangenen des Volksgerichtshofes von Berlin nach St. Georgen-Bayreuth verlegt werden, wo der Volksgerichtshof sodann seine Sitzungen abhalten wird. Etwa 220 männliche Gefangene sind heute mit Schiff von Berlin abbefördert und sollen sodann von einem noch nicht bestimmten Ort mittels Sondertransports nach St.-Georgen-Bayreuth weiterbefördert werden. Insgesamt sind etwa 300 Plätze für Männer in St. Georgen-Bayreuth aus diesem Anlass bereitzustellen... Für Frauen bitte ich möglichst gleichfalls im Bezirk etwa 50 Plätze für Untersuchungsgefangene des Volksgerichtshofs bereitzustellen."(2) Die wegen Hoch- und Landesverrats angeklagten Männer wurden in das Zuchthaus St. Georgen Bayreuth verbracht, die Frauen in das Gerichtsgefängnis Bayreuth.
 
(1) Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, München, MA 193/2, 3667945
(2) Bundesarchiv Koblenz BA R22/4051

 

Transport der Häftlinge von Berlin nach Bayreuth

Am Morgen des 6. Februar wurden die auf mehrere Gefängnisse verteilten Untersuchungshäftlinge des Volksgerichtshofes im Berliner Westhafen zusammengetrieben. Die Gefangenen kamen aus Plötzensee und Tegel, aus der Untersuchungshaftanstalt Alt-Moabit und dem Frauengefängnis Barnimstraße. Während die Tegler Häftlinge mit einem offenen Lastwagen zum Westhafen gebracht wurden, mussten die Männer aus Alt-Moabit und die Frauen aus der Barnimstraße zu Fuß zum Westhafen marschieren, letztere mit Stahlfesseln jeweils zu zweit aneinander gekettet. Früh am Morgen mussten die Gefangenen aufbrechen, doch dann stehen sie bis nach Mittag im Westhafen herum. "Inzwischen treffen neue Trupps von Gefangenen zu Fuß und zu Wagen im Westhafen ein, das sind die Moabiter, und der große Schub dort kommt aus Plötzensee... Nachdem ein halber Tag vertrödelt ist, sollen wir plötzlich in zwei Minuten, wie das so üblich ist, in den dunkeln Kohlenbunkern der Lastkähne verstaut sein. Also werden wir Hals über Kopf auf Leitern in den Abgrund hinuntergestoßen."(3) Die Gefangenen wurden "in einen stockfinsteren Äppelkahn verpackt, Männer und Frauen getrennt, die in einen anderen Äppelkahn, und dann ging die Reise los, die über 10 Tage dauerte" erinnert sich der Sozialist Ewald Naujoks.(4)

 

Das

Croner, Harry (1903-1992), Fotograf: Blick über die Spree mit Marschallbrücke, dahinter Reichstag
 

Ein anderer Häftling, der Journalist Gerhard Schultze-Pfaelzer, beschrieb in seinen Erinnerungen den Gefangenentransport auf dem Schiff: "Die enge Welt der Tiefe besteht aus zweietagigen rohen Balken-Verschlägen, niedrig wie Hundekojen." Es liegen Schrauben, Kohlekrümmel, Nagelschuhe herum. "Als sich die Wellblech-Luke über der Dachmitte dröhnend schließt, wird es in den Kojen stockfinster... Irgendwo klappern leere Konservenbüchsen als Behälter der Notdurft." Mit der Zeit entwickelt sich von ihnen ein infernalischer Gestank.(5) "Unser Lager bildet ein Papiersack... Nicht nur die Sacktextilie ist aus Papier, sondern auch die Füllung besteht aus Papierschnitzeln." Die Papiersäcke lösen sich in dem durch Lecks in das Schiff eindringende Wasser auf.

Die Gefangenen leiden auf dem Schiff an Hunger und Durst: „Man hat uns gestern (bei der Abreise von Berlin) nur ein Stückchen Brot mit salziger Paste als Nahrung mitgegeben, nun meldet sich der bösere Bruder des Hungers, der Durst... es gibt auch weiterhin nichts zu trinken."  Nachdem die Wachtmeister zunächst mit der Erschießung der Gefangenen drohen, schütten sie durch die Luke zerkrümmelte Brote auf die Köpfe der Gefangenen herab. Die Gefangenen streiten sich um das Brot, die Brotkrümmel landen zum Teil im Unrat, die Wachleute schlagen mit Gummiknüppeln auf die sich streitenden Gefangene ein. Bei einem Zwischenhalt in Brandenburg erhalten die Gefangenen vom dortigen Zuchthaus eine Erbensuppe. Es ist jedoch zuwenig, als daß die mittlerweile reichlich ausgehungerten Häftlinge satt würden.(6)

Auch im weiteren Verlauf des Transports erhalten die Gefangenen kaum Essen und Trinken. Ab und an werden Brotklumpen durch die Luke geworfen, doch das Brot ist verdorben und ungenießbar. Die Margarine, die den Gefangenen zugedacht war, haben die Wachtmeister schon zuvor selber aufgegessen. "Die Reise war beschwerlich. Es war kalt und wir waren halb verhungert. Bald begannen denn auch die besonders anfälligen zu sterben."(7)

Das Boot fährt nur bei Helligkeit, in der Nacht legt es am Ufer an. "Es ging etwa sechs Tage mit dem Äppelkahn spreeabwärts, havelabwärts, elbaufwärts bis Coswig im anhaltischen."(8)

Als der Kahn in den Kanalschleusen von Magdeburg liegt, gibt es einen Fliegerangriff, Bomben fallen: "Die Schiffswände dröhnen und schwanken. Fontänen zischen... Unser Eisenkahn scheint sich erst nach vorne aufzurichten, dann auf die Seite zu legen. Durch die berstende Luke schäumt grüne Gischt."(9)  Bei den Fliegerangriffen sterben einige Häftlinge.

Am Mittag des 11. Februar legt der Kahn in Coswig an. Von hier aus soll der Transport mit der Eisenbahn fortgesetzt werden. Ein holländischer Gefangener erinnert sich: "In Coswig mussten die Gefangenen das Schiff verlassen, durch die gesamte Stadt zur Eisenbahn marschieren. Mehrere Leichen von auf dem Transport gestorbenen Gefangenen mussten wir noch lebenden mit uns transportieren. Wir Gefangenen stanken sehr, da es auf dem Schiff keinerlei sanitäre Einrichtungen gegeben hatte."(10) Die Bevölkerung reagiert sehr negativ auf die Gefangenen. Man macht abfällige Bemerkungen: "In Coswig hat ja sogar die deutsche Bevölkerung - das hab ich so sehr übel genommen - zu unseren Wachmannschaften gesagt: Was macht ihr euch so viel Mühe mit denen, knallt sie doch runter! ... Man kann sich ja vorstellen, wenn man auf Stroh sieben Tage im Kahn liegt, und sich nicht waschen kann - die hatten da gar nichts zum Waschen drin in dem Spreekahn - kann man nicht mehr sehr appetitlich aussehen."(11)

Auf dem Weg durch die Stadt werden die Gefangenen geschlagen. Der Gefangene Emil, ein Arbeiter aus Landsberg an der Warthe, berichtete: "Mich hat nämlich ein Wachmeister auf dem Wege vom Schiff zur Bahn mit dem Gummiknüppel links und rechts auf den Bauch geprügelt. Da kriegte ich Nierenkolik... Die Nierengegend ist aufgequollen wie'n Hefekloß."(12)

Gemäß den Akten des Zuchthauses treffen die Gefangenen dort am 12. Februar um 16 Uhr ein. Im Gefangenenbuch des Zuchthauses werden 88 der Gefangenen erfasst.(13) Während einzelne von Ihnen zunächst in Coswig verblieben, geht es für die meisten von Ihnen am nächsten Tag um 13.00 weiter Richtung Bayreuth.

Nachdem sie im örtlichen Zuchthaus eine Nudelsuppe erhalten haben, müssen die Gefangenen am Bahnhof auf den Weitertransport warten. "Wir zittern im nässenden Schneewind, die Schwachen fallen in den Schlamm. Endlich quietschen ein paar alte Güterwagen. In den vordersten kommen 'unsere Damen', sie werden nicht ganz so eng zusammengedrängt wie wir Männer, von denen an die achtzig in jedem (der drei anderen) Waggon(s) Platz finden müssen. Natürlich geht es nicht ohne viehische Töne und Fußtritte. Die Luftklappen sind zugenagelt, das würde man Tieren nicht zu bieten wagen, aber wir sind ja auch beileibe kein wertvolles Rindvieh, sondern politische Gefangene, die niedrigste Sorte von Lebewesen. Es gibt zwar noch Ritzen, durch die der feuchte Februar hineinpfeift, aber die Luft hier innen wird stündlich stickiger, und unsere Lungen keuchen wie ein altes Pumpwerk. Zwischen den Beinreihen der stehenden kann jeweils eine Gruppe mit der Schmalseite auf der Schulter liegen."(14)

"Die Waggons waren so überfüllt, dass die meisten stehen mussten und nur wenige sitzen konnten. In meinem Waggon befanden sich 96 Menschen, was auch außen notiert war. Von den 96 waren bereits mehrere tot, die jedoch mitgezählt wurden."(15) In der ersten Nacht steht der Zug nicht weit von Dessau, als es wieder in nächster Nähe zu Fliegerangriffen kommt. Die Schienen beben, durch die Ritzen der Waggonverkleidung dringt der Feuerschein von außen ein. Im Verlauf des nächsten Tages (dem 12. Februar) wird die Waggontüre nur einmal geöffnet. Dabei gab es "viel Flüche und kein Brot, einen Krug mit dem kostbaren Wasser kippte ein mutwilliger Wächter vor uns auf den Bahndamm."(16)

Einige Gefangenen prügeln im Halbdunklen des Eisenbahnwaggons auf einen Mitgefangenen ein, der sie unter Folter an die Gestapo verraten hatte.(17) Im Verlauf des 12. Februar stirbt einer der Gefangenen, ein ehemaliger Lehrer, an den Folgen eines Verhörs, in dessen Verlauf er durch die Gestapo misshandelt worden war. Durch die Schläge hatte er sich eine Nierenentzündung zugezogen. "Als wir gegen Abend auf freier Strecke halten, zerren zwei Wachmeister seinen Leichnam aus dem Wagen und werfen ihn den Bahndamm hinab. Es ist unser erster, nicht unser letzter Toter am Wege."(18) Über den darauffolgenden Tag schreibt Gerhard Schultze Pfaelzer: "Mehr als einer kämpft den letzten nackten Daseinskampf, und in Gefahr sind wir alle. Wen wird man morgen über den Bahndamm werfen? Heute sollen es neun gewesen sein."(19)

Der Zug fährt durch Thüringen Richtung Bayern. Einige Häftlinge machen einen Ausbruchsversuch. Sie reißen die obere Seitenklappe des Viehwagens heraus und springen aus der Öffnung ins Freie. Die Flucht gelang offensichtlich. So konnte Gerhard Schultze-Pfaelzer von einem Arzt berichten, der auf diese Weise überlebte.(20) Als beim nächsten Halt die Flucht der Gefangenen festgestellt wird, gerät der Wachtinspektor außer sich: "Er brüllt, wir seien Verräter, weil wir nämlich die entwichenen Kameraden nicht verraten haben... Wir seien Aufrührer, und jetzt herrsche Standrecht, da müssten wir auf der Stelle erschossen werden. Fesseln zu zweien, und dann dort hinter den Geräteschuppen. Die Maschinenpistole rasselt schon." Die Gefangenen müssen sich ausziehen und werden durchsucht, manch einer bricht vor Erschöpfung splitternackt zusammen. "Man sucht einen Platz, wo wir selber unsere Gräber schaufeln können." Doch schlussendlich kommt es zu keiner Hinrichtung. Man weiß nicht, wie man die Leichen entsorgen kann, bürokratische Hindernisse tauchen auf, der Bürgermeister wird eingeschaltet, man telegrafiert. Schließlich geht die Fahrt weiter. "Doch unser Inspektor brütet Rache. Wir sollen, solange die Fahrt dauert, keinen Tropfen Wasser, keinen Bissen Brot mehr bekommen. Man rechnet noch mit zwei Reisetagen bis Bayreuth, denn es geht nur noch im Schneckentempo auf Nebenstrecken durch die Gebirge. Die Strafe trifft uns lebensgefährlich. Tatsächlich bricht schon gegen Abend eine Art Hungerdelirium aus... Die Lungen gehen rasselnd… Lippen und Zunge schmatzen sich mühsam etwas Speichel zusammen."(21)

Auf engstem Raum in den Güterwagen zusammengepfercht, mehrere Tage ohne Essen und Trinken, werden einige der Gefangenen wahnsinnig: "Ein Fiebernder beginnt mit seiner eigenen Stirn gegen das Wagenholz zu trommeln. Ein anderer verröchelt mit blasigem Schaum vor dem Munde..." Ein Gefangener, der wild um sich schlägt, wird schließlich von den Mitgefangenen an Armen und Beinen gefesselt.(22)

Am 17. Februar kommt der Transport auf dem Bayreuther Güterbahnhof an. Zu Fuß marschieren die Gefangenen in Reih und Glied zum Zuchthaus: "Der Weg vom Güterbahnhof in Bayreuth zum Zuchthaus St. Georgen ist nicht kurz. Für unseren Elendszug war es ein weiter und mühsamer Weg. Die Zusammenbrechenden mussten mitgeschleppt werden", erinnert sich der spätere Bundestagsabgeordnete und Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier.(23) Einer von den Zusammenbrechenden ist Schultze-Pfaelzer, der in die Krankenstation des Gefängnisses getragen wird. In den folgenden Tagen wird er Zeuge, wie mehrere Häftlinge an den Folgen des Transports sterben: "Meine Spitalgenossen scheinen kränker als ich zu sein. Sie liegen teils steif, teils zuckend auf den benachbarten Strohsäcken, Opfer des männermordenden Transports... Die Tür wird aufgestoßen, sie tragen einen beinahe leblosen Körper hinein, den blutige Kleider- und Wäschefetzen dürftig bedecken. Es ist einer der Unglücklichen, die im Durst-Delirium in den Wahnsinn fielen und zuletzt im Bremserhäuschen des Waggons an Händen und Füßen gefesselt abgestellt wurde... Man wirft ihn jetzt krachend auf den Strohsack, und ich bekomme die Weisung, mich von Zeit zu Zeit um ihn zu kümmern... Um Mitternacht schlägt er noch einmal in kurzem, qualvollem Rasen mit Armen und Beinen aus, dann reckt er sich und ist tot."(24) In derselben Nacht stirbt ein anderer an Lungenentzündung.

 

(3) Gerhard Schultze-Pfaelzer: Kampf um den Kopf. Meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943-45. Berlin 1948, S.185
(4) Ewald Naujoks, in: Norbert Aas: Von der Illegalität in Berlin zur Opposition in Bayreuth. Das Leben des unabhängigen Sozialisten Ewald Naujoks, Bayreuth 1988, S. 70
(5) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.186
(6) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.188
(7) Eugen Gerstenmaier: Reise nach Bayreuth. In : Bewährtes, bewahrtes, gemehrtes Erbe, Montana Verlag Zürich, 1965, S. 58ff
(8) Ewald Naujoks, a.a.O., S.42
(9) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.191
(10) Bericht eines Holländers, der 1945 23 Jahre alt war. Die mündliche Schilderung wurden von Philipp Oswalt nach Gesprächen, die er im Dezember 1993 und im März 1994 mit dem Holländer geführt hatte, aufgeschrieben.
(11) Gerda Eichenhoff, in: Norbert Aas: Von der Illegalität in Berlin zur Opposition in Bayreuth. Das Leben des unabhängigen Sozialisten Ewald Naujoks, Bayreuth 1988, S.120
(12) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.206
(13) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.196
(14) Bericht eines Holländers, a.a.O.
(15) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.197
(17) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.197
(18) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.198
(19) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.200
(20) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.200
(21) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.201
(22) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.202
(23) Eugen Gerstenmaier: Reise nach Bayreuth, a.a.O., S. 58ff
(24) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.204f.
 

Haftbedingungen in Bayreuth

Der
Quelle: BArch R 3017 /18399
Das Zuchthaus St. Georgen Bayreuth war im Frühjahr 1945 völlig überbelegt. Eigentlich vorgesehen für 950 Gefangene, waren dort Ende Februar 1945 1500 Häftlinge inhaftiert. Zusätzlich waren 650 Gefangene im Außenlager Creußen untergebracht, so dass insgesamt ca. 2200 Menschen in Bayreuth gefangen gehalten wurden.(25) Bis zum Kriegsende nahm die Zahl der Gefangenen durch das Eintreffen zahlreicher Gefangener aus Ost und West weiter zu, angeblich bis zu 5000 Gefangenen.(26)
Der
Einlieferungsbestätigung Georg Jungclas (Quelle: BArch R 3018-11296)

Infolgedessen waren die Zellen völlig überbelegt, in Einzelzellen - ca. 4 m x 2 m groß - waren in der Regel 3 Gefangene untergebracht. Die drei Häftlinge mussten sich eine einzige Klapp-Pritsche teilen.(27) Die etwas größeren Zweimannzellen waren - wie andere Häftlinge berichteten - zum Teil mit bis zu 30 Häftlingen belegt.(28) In dem etwas abseits gelegenen Bau IV waren nur politische Häftlinge untergebracht. Dort gab es im Keller Einzelzellen für Dunkelhaft, in denen Gefangene - von ihrer Umwelt völlig isoliert - eingesperrt waren.(29)

 
Der
Einlieferungsbestätigung Gustav Jahr (Quelle: BArch R 3018-1537)

Die Häftlinge litten unter großer Kälte, wie ein ehemaliger Häftling, der französische Priester Abbé Raimund David berichtete: "Im damaligen Winter herrschte in Deutschland eine große Kälte. Dabei gab es kaum eine Heizung. Gleichwohl mussten wir von sechs Uhr früh bis sechs Uhr abends in der Werkstatt sitzen. Zum Schutz gegen Kälte umwickelte ich meine Beine mit Papier, das ich erst bei Arbeitsschluss entfernte. Aber selbst diese Wohltat wurde untersagt... In den Zellen war das Leben nicht rosig. Die Kälte setzt uns stark zu... Das einzige Betttuch, das wir hatten, wurde uns entzogen. Ebenso wurden die aufeinandergestellten Holzbetten entfernt. Zu dritt mussten wir mit zwei Strohmatten vorlieb nehmen, die wir auf dem Boden unserer Zellen ausbreiteten. Vollangezogen rollten wir uns in die zwei Decken. Dabei kauerten wir uns gegeneinander, um auf diese Weise uns gegenseitig zu wärmen."(30) "Der Fußboden aus rissigem Zement zeigt vereiste Pfützen."(31)

(25) Nachweis über den Bestand der Gefangenen am 28.2.1945 im Oberlandesgerichtsbezirk Bamberg, Bundesarchiv Koblenz R 22/5094, Blatt 5ff.
(26) Bayreuth. Umgeguckt und Hinterfragt. Geschichtswerkstatt Bayreuth, Bayreuth 1992, S. 23
(27) Werner Meyer: Götterdämmerung. April 1945 in Bayreuth, Verlag R. Schulz, Perda am Starnberger See, 1975, Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.208
(28) Bericht eines Holländers, a.a.O.
(29) Bericht von Alfred Oswalt, in: Akten des Oberlandesgericht Karlsruhe, Aktenzeichen U 101/1962 Entsch., O (E I) 335/1960, S. 167
(30) Abbé Raimund David: In französischer und Nazi-Haft 1941-1945, Offingen/Donau 1989, S. 134, 141f.
(31) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.204

 

Ernährung der Häftlinge

Noch schlimmer als die Kälte war der Hunger, wie Ewald Naujoks erzählte: "Die Verpflegung in Bayreuth war buchstäblich zum verhungern. Als Mittagessen bekamen wir aufgebrühte Pellkartoffelschalen, hin und wieder war mal eine Erbse drin... Dazu gab es, zu diesen aufgebrühten Kartoffelschalen, noch ein Stück Brot zu Mittagessen, Fleisch gab es nur am Sonntag, und auch nur eine ganz kleine Portion.(32) Später gab es auch am Sonntag kein Fleisch mehr, das Sonntagsessen bestand dann lediglich aus zwei Kartoffeln.(33)

"Alle drei Tage wird die Brotration um ein Viertel gekürzt, das Suppenquantum sinkt von einem Liter auf dreiviertel und dann auf einen halben", berichtet Gerhard Schultze-Pfaelzer. "Jetzt hört der Gemüsebrei auf und wird durch Kartoffel ersetzt, die sich dann mehr und mehr auf die Kartoffelschalen beschränken... Die Kürzungen sollen solange fortgesetzt werden, bis das auf über zweitausend Gefangene angeschwollene Zuchthaus wieder auf die Hälfte gesunken ist... Aus unserer Zelle muss der dritte Mann daran glauben."(34) Er stirbt.

Einige Tage vor Ostern ist die tägliche Brotration "auf etwa 60 Gramm zusammengeschrumpft, es sind zwei dreieckige Stückchen".(35) Einige Tage später, noch vor dem ersten Bombenangriff auf Bayreuth, wird die tägliche Brotration nochmals um die Hälfte reduziert: "Das zweite Brotstückchen bleibt aus."(36) Ein Arzt unter den Häftlingen rät, das bisschen Nahrung sorgsam über den Tag zu verteilen: "Morgens darf man das warme Kaffeewasser nur in kleinen Schlückchen trinken. Mittags hat man das halbe Morgenbrot in die Suppe aus Kartoffelschalen zu brocken. Nachmittags wird die zweite Hälfte des Morgenbrots scharf gekaut und gut eingespeichelt. Abends werden die zwei Kartoffeln mitsamt der Schale langsam gegessen, hinterher wird der Tee mit dem zweiten Brotstück zu einem Brei verrührt."(37)

Während die Gefangenen hungern, wurden - wie Ewald Naujoks erzählt - "die Schweine der Anstalt derweil mit guten, dicken Kartoffeln gemästet. Beim Einmarsch der Amerikaner waren wir buchstäblich zu Skeletten abgemagert. Zwei meiner Mitangeklagten waren so lebensgefährlich erkrankt, dass wir alle daran zweifelten, dass sie am Leben bleiben würden... (Sie) hatten zwei ganz schwere Hungerödeme um die Knöchel herum. Der eine musste (nach der Befreiung) im Städtischen Krankenhaus behandelt werden... (Während der Haft) nahm das Gewicht rapide ab, wir wurden jede Woche gewogen und zwar nackig gewogen. Es dauerte nur einige Wochen, da konnte jeder feststellen, dass die Gefangenen keinen Popo mehr hatten, sie hatten stattdessen nur noch zwei spitze, mit Haut überzogene Knochen. Als die Amis einmarschiert waren und als wir die Frauen, die den Transport nach Bayreuth auch mitgemacht hatten, wieder zu sehen bekamen, stellten wir fest, dass die überhaupt keine Brüste mehr hatten."(38) Die damalige Freundin von Ewald Naujoks, Gerda Eichenhoff, ursprünglich ca. 60 Kilo schwer, wog bei der Befreiung nur noch 40 Kilo. Der Bauingenieur Alfred Oswalt hatte bei der Verhaftung im Oktober 1944 ein Körpergewicht von knapp einhundert Kilo (bei einer Körpergröße von 195 cm) und wog nach der Befreiung nur noch die Hälfte.(39)

Immer wieder starben einzelne Gefangene an Unterernährung, wie der Priester Raimund David berichtet: "In dieser nachösterlichen Fastenzeit wurde das Essen immer weniger... Es wimmelte von Gefangenen, die im Osten und im Westen evakuiert worden waren. Sie waren auf dem Dachboden untergebracht, einer neben dem anderen, ohne Pflege, ausgezehrt von Hunger und zermürbt von Müdigkeit. Sie glichen mehr noch als wir einem Skelett... Ich konnte einem von ihnen Beistand leisten, der auf einem Strohsack starb."(40)

Priester Raimund David war auch Zeuge von dem Tod weiterer Häftlinge, die aufgrund der unmenschlichen Haftbedingungen tödlich erkrankt waren: "Mit dem Benediktinerpater Athanasius, der aus Berlin kam und drei Wochen lang einen schrecklichen Transport mitgemacht hatte, war es gesundheitlich nicht zum besten bestellt. Die Ruhr hatte ihn völlig fertig gemacht. Als er schon bei uns mit dem Tode rang, wurde er nicht in das Krankenzimmer, sondern in das Altenzimmer gebracht, wo er ohne Hilfe am 15. März nachts starb."(41) Von einem ähnlichen Vorfall ein Monat später berichtet Raimund David: "Auf dem Boden des Ganges lag ein französischer Arzt, der mit dem Tode rang. Ich brachte ihn mit zwei anderen Kameraden in meine Zelle und wir teilten unser letztes Stückchen Brot. Nur wenige Tage später starb er."(42)
 
(32) Ewald Naujoks, a.a.O., S. 72
(33) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S. 222
(34) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S. 217
(35) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S. 219
(36) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S. 220
(37) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.218
(38) Ewald Naujoks, a.a.O., S. 19, 72, 79
(39) Rechtsanwalt Braunbehrens an das Landesamt für Wiedergutmachung in Sachen Alfred Oswalt E.K.-Nr. 4336 wegen Gesundheitsschaden am 4.12.1959
(40) Abbé Raimund David, a.a.O., S.147
(41) Abbé Raimund David, a.a.O., S.143
(42) Abbé Raimund David, a.a.O., S.148
 

Arbeit

Die Häftlinge mussten, soweit es ihr Gesundheitszustand zuließ, täglich 12 Stunden arbeiten.(43) Im Zuchthaus selber gab es diverse Werkstätten, insbesondere für die Herstellung, Ausbesserung und Wiederverwertung von Kleidung, aber z.B. auch eine Druckerei. In den Textilwerkstätten wurden u.a. Kleidungsstücke von der Ostfront wiederverwertet. Über die Arbeit im Zuchthaus schreibt der Priester Raimund David: "Einzelne Werkstätten wurden sehr streng geführt, wobei dem Aufseher eine ziemlich große Selbstständigkeit eingeräumt war... Weil ich mich für das Stricken als unfähig erwiesen hatte, musste ich mich damit begnügen, Wollfäden aus alten Socken aufzuwickeln, die ohne Zweifel von der russischen Front stammten, da sie gefroren und blutverschmiert waren... Die Arbeitsgruppen, die außerhalb des Gefängnisses eingesetzt waren, hatten unter allen Gesichtspunkten besondere Vorteile, nämlich bei der Verpflegung, beim Zugang zu den neuesten Nachrichten, beim Empfang von Briefen und Päckchen sowie im Umgang mit den Zivilisten."(44) Zu den 600 Häftlinge der Außenkommandos, die u.a. im Wald und auf dem Friedhof arbeiteten, gehörten jedoch keine Untersuchungsgefangene.(45) Außer den Außenkommandos gab es zudem ca. 15 km von Bayreuth entfernt das Außenlager Creußen, wo weitere 650 Häftlinge untergebracht waren, die in einer Rüstungsfabrik arbeiten mussten.(46)

 

(43) Abbé Raimund David, a.a.O., S.141
(44) Abbé Raimund David, a.a.O., S.129f, 140
(45) siehe u.a. Nachweis über den Bestand der Gefangenen am 28.2.1945 im Oberlandesgerichtsbezirk Bamberg, Bundesarchiv Koblenz R 22/5094, Blatt 5ff.: Zuchthaus St. Georgen Bayreuth sowie R. David, a.a.O. S. 129
(46) Abbé Raimund David, a.a.O., S. 129

Misshandlung durch Wachpersonal

Von der Misshandlung durch die Gefängnisaufseher berichtete Ewald Naujoks folgendes: "Beim Empfang in Bayreuth, schon vor dem Gebäude von St. Georgen, wurde einer aus unserem Transport von einem St. Georgener Beamten geohrfeigt. Das war mir neu. Ich hatte so etwas im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis nicht erlebt, aber auch in der Untersuchungshaftanstalt Alt-Moabit 12A nicht. Schläge gab es danach immer wieder mal. Ein Zellenkamerad ... wurde von dem Stationswachmeister geschlagen. Und bei anderen kam das auch vor."(47) So wurde Gerhard Schultze-Pfaelzer getreten und in der Entlausungsanstalt des Zuchthauses mit brühendheißem Duschwasser verbrüht.(48)

In den letzten Kriegswochen kamen mit den Häftlingstransporten immer wieder neue Gefängnisaufseher nach Bayreuth, von denen sich bereits zuvor mancher als äußerst grausam erwiesen hatte. Ein Bewachungsbeamter, der mit einem Gefangenentransport aus Breslau nach Bayreuth gekommen war und das Forstkommandos des Zuchthauses St. Georgen bewachte, hatte während des Transports zahlreiche Häftlinge ermordet, wie Ewald Naujoks erfuhr: "Über den Transport wurde mir erzählt, dass ein Bewachungsbeamter namens Liebehenschel 36 Häftlinge auf dem Transport erschossen hatte."(49) Gerhard Schulze-Pfaelzer erzählt das Geschehen im Einzelnen: "Die Breslauer haben unterwegs nicht weniger durchgemacht als wir Flüchtlinge aus Berlin. Sie wurden in kleinen Trupps auf Transport gebracht... Eine Gruppe war nach Lauban umquartiert, als die Russen dorthin überraschend vorstießen. Der Weitertransport musste zu Fuß erfolgen, aber die Kranken und Schwachen sollten unter keinen Umständen lebend zurückbleiben. Der Ortsgruppenleiter gab bei der Räumung die Weisung, alle nicht marschfähigen Gefangenen zu erschießen. Es waren vierzehn Mann, die nicht weiterkonnten, darunter mehrere Greise und Krüppel."(50) Später schlug der Wachtmann einen unterwegs zusammengesunkenen Gefangenen mit dem Gummiknüppel ins Gesicht, so dass diesem die Zähne ausfielen und er Blut spuckte. Schließlich erschoss er ihn.(51)

 

 

(47) Ewald Naujoks, a.a.O., S. 72
(48) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.211
(49) Ewald Naujoks, a.a.O., S.71
(50) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.215
(51) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.216
Trotz des unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruchs der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft werden politische Häftlinge in Bayreuth weiterhin verhört, man trifft Vorbereitungen für Verhandlungen des Volksgerichtshofes und für die Hinrichtung von zum Tode Verurteilten.(52) Einzelne Richter und Staatsanwälte des Volksgerichtshofes kommen nach Bayreuth.(53) Häftlinge werden in Bayreuth und Bamberg verhört.(54) Um die Ermittlungen fortsetzen zu können, hat man trotz der gegen Kriegsende recht chaotischen allgemeinen Lage darauf geachtet, dass die Ermittlungsakten der Untersuchungshäftlinge von Berlin nach Bayreuth gebracht wurden.(55)

Einer der Untersuchungshäftlinge, der Holländer Cornelius Hubers, stirbt an den Folgen der Misshandlungen, die ihm während eines Verhörs zugefügt werden. Ein anderer Häftling, der Bauunternehmer Alfred Oswalt, war Zeuge des Geschehens: "Man hat den Ingenieur Cornelius Hubers so geprügelt, dass er ohnmächtig auf dem Boden lag und dass ihm das Blut aus Mund, Nase und Ohren herauslief. An den Folgen dieses Verhörs ist er dann auch einige Tage darauf gestorben, bezeichnenderweise gab aber der Totenschein, den ich bei meiner Entlassung aus dem Zuchthaus Bayreuth unter den Akten Hubers sah, allgemeine Entkräftung an."(56) Cornelius Hubers war erst 22 Jahre alt, als er am 19. Februar 1945 starb.

Zu einer Gerichtsverhandlung des Volksgerichtshofes in Bayreuth ist es noch einige Tage nach dem 5. April, dem Tag des ersten Luftangriffs auf Bayreuth, gekommen, wie Schultze-Pfaelzer von seinem Bayreuther Rechtsanwalt noch während seiner Haft erfuhr: "Der Volksgerichtshof hat sich tatsächlich in letzter Stunde hier in Bayreuth noch einmal zu bösem Tun versammelt. Gestern hat er sogar, wie mir der Justizrat erzählt, noch zwei Todesurteile und hundert Jahre Zuchthaus diktiert."(57)

Schon vor der Ankunft der Untersuchungshäftlinge aus Berlin sorgte man sich darum, wie man die zu erwartenden Todesurteile des Volksgerichtshofes in Bayreuth vollstrecken könnte. Von einem Treffen mit dem Bamberger Generalstaatsanwalt Steuer berichtet der Erste Staatsanwalt Dr. Gründer: "Die bisher für den Bezirk zuständige Richtstätte in Frankfurt (Main) ist für Gefangenentransporte nicht mehr zu erreichen. Der Generalstaatsanwalt schlägt deshalb vor, künftig Straubing als Hinrichtungsanstalt zu bestimmen. Ich habe angeregt, eine neue Richtstätte in Bayreuth zu schaffen, wo ohnedies der Volksgerichtshof tagen wird. In Bayreuth hat sich ein Scharfrichter aus Posen gemeldet. Nach den baulichen Verhältnissen könnte, wie der Generalstaatsanwalt versichert, dort eine Richtstätte geschaffen werden. Der Bezirk würde diese Lösung begrüßen."(58)

Zu der geplanten Errichtung einer Hinrichtungsstätte kam es wohl nicht mehr, gleichwohl wurden in Bayreuth noch einzelne Häftlinge hingerichtet. Gerhard Schultze-Pfaelzer berichtete, ein Staatsanwalt des Volksgerichtshofes "ließ ein paar Tage vor unserer Befreiung durch die Amerikaner in unserem Gefängnishof politische Gefangene erschießen, die einige frischgelegte Hühnereier im Hof gefunden und ausgetrunken hatten."(59) Der Priester Raimund David berichtet, dass im Oktober 1944, also noch vor der Ankunft der Häftlinge des Volksgerichtshofes, ein Dutzend Elsässer in Bayreuth hingerichtet worden ist.(60) Anfang Februar 45 befinden sich ca. 50 zum Tode Verurteilte NN-Gefangene im Zuchthaus St. Georgen. Der Bamberger Generalstaatsanwalt Steuer macht sich darüber Sorgen, dass deren Hinrichtung noch nicht angeordnet worden ist, und bittet daher beim Reichsjustizministerium um Weisung, was mit den Gefangenen geschehen solle.(61)

Andere Häftlinge werden nach ihrem Abtransport aus Bayreuth ermordet. Raimund David berichtet von 300 Belgiern und Franzosen, die etwa Mitte Februar „in das Lager Flossenbrug(62) kamen, wo sie durch Hunger und unmenschliche Behandlung umkamen."(63) Er berichtet noch von einem weiteren solchen Fall: "Gegen Ende März 1945 sahen wir vom Fenster unserer Werkstatt aus, wie vierzig Franzosen mit ihrem Gepäck einen Wagen bestiegen, der von einem Traktor gezogen wurde. Nach einigen Tagen erreichte uns die traurige Nachricht, dass sie nur wenige Kilometer von hier hingerichtet worden seien."(64)
 
(52) Das trifft auf die Aktivitäten des Volksgerichtshofes insgesamt zu. In Bayreuth waren nur ein Teil der Häftlinge des VGH - die des Hochverrats angeklagten Untersuchungshäftlinge, insbesondere Ausländer - inhaftiert. Andere Gefangene des VGH befanden sich u.a. noch im Gefängnis Berlin-Lehrter Straße, in den Zuchthäusern Brandenburg und Waldheim. Auch dort bemühte man sich noch in den letzten Wochen des 'Dritten Reichs' um die Strafverfolgung und die Strafvollstreckung: "Selbst als die Sowjetarmee schon diesseits der Oder kämpfte und die westlichen Alliierten den Rhein überschritten hatten, maßen die Spitzen Nazideutschlands dem Volksgerichtshof noch so hohen Stellenwert bei, dass sie einen Nachfolger Freislers förmlich in sein Amt einführen ließen" (Günther Wieland: Das war der Volksgerichtshof, Berlin 1989, S. 94). Am 12. März 1945 wurde Harry Haffner von Hitler zum Nachfolger Freislers ernannt. Insgesamt hat Haffner noch vier Hauptverhandlungen geleitet, bis er am 24. April aus Berlin floh. Aber auch außerhalb der Hauptstadt fanden weitere Prozesse statt. So tagte der 6. Senat des Volksgerichtshofs noch mehrmals im Zuchthaus Waldheim Anfang April 1945 (ebenda, S. 96ff.).
Der Präsident des Volksgerichtshofs war bemüht, "noch in den letzten Tagen der Nazidiktatur seine Opfer unter das Fallbeil zu bringen". So kümmerte man sich Ende März 1945 darum, die Vollstreckung von Todesurteilen in Brandenburg zu beschleunigen. Noch am 20.April 1945 wurden unter Leitung eines Mitarbeiters der Oberreichsanwaltschaft 28 zum Tode verurteilte Gefangene im Zuchthaus Brandenburg exekutiert. Weitere vom Volksgerichtshof Verurteilte oder zur Verurteilung Vorgesehene wurden in den letzten Apriltagen von einem SS-Kommando aus dem Gefängnis Lehrter Straße in Berlin geholt und erschossen. (ebenda, S.98)
(53) Werner Meyer, a.a.O., S. 109, und Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S. 263
(54) Bericht von Alfred Oswalt, in: Akten des Oberlandesgericht Karlsruhe, a.a.O., S. 167
(55) ebenda, S. 167f.
(56) Klageschrift an die Wiedergutmachungskammer II beim Landgericht in Karlsruhe vom 14.8.51, Aussage von Alfred Oswalt
(57) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S.221
(58) Bericht des Ersten Staatsanwalts Dr. Gründer von einer Dienstreise nach Bamberg in der Zeit vom 7. bis 14. Februar 1945, Bundesarchiv Koblenz, R22/5096 S. 15
(59) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S. 263
(60) Abbé Raimund David, a.a.O., S. 130
(61) Bericht des Ersten Staatsanwalt, a.a.O, S. 15
(62) Gemeint ist das KZ Flossenbürg
(63) Abbé Raimund David, a.a.O., S.139. Bereits zuvor waren Häftlinge aus Bayreuth in Konzentrationslager abtransportiert worden. So kamen in den Jahren 1933/34 Bayreuther Häftlinge in das Konzentrationslager Dachau. Siehe: Bayreuth. Umgeguckt und Hinterfragt, a.a.O., S.23. Umgekehrt waren auch einzelne Häftlinge aus Bayreuth zuvor in Konzentrationslagern gewesen: Der Zellengenosse von Gerhard Schulze-Pfaelzer, der Arzt Dr.M., war - wie er sagte - vier Jahre lang Lagerarzt in Ausschwitz gewesen (siehe Schultze-Pfaelzer, a.a.O., S. 217). Die Frau Schultze-Pfaelzers war zuvor im KZ Ravensbrück inhaftiert gewesen war (ebenda, S. 259).
(64) ebenda, S.145

Die Befreiung

Am 14. April wurde Bayreuth von den Amerikanern befreit. Was die meisten Deutschen als Niederlage und Zusammenbruch empfanden, war für die Verfolgten des Nationalsozialismus die langersehnte Befreiung. Doch noch in den letzten Tagen und Stunden vor der Befreiung war das Schicksal der Häftlinge ungewiss. Sie mussten noch zum letzten mal Todesängste durchstehen. Wie die Gefangenen erfahren hatten, waren in anderen Zuchthäusern noch kurz vor der Befreiung die Gefangenen ermordet worden: "Es hatte sich aber herumgesprochen, dass z.B. in das Zuchthaus Sonnenburg in der Neumark, also im östlichen Teil der Provinz Brandenburg, kurz bevor die Russen einmarschierten, die SS gekommen war und alle Gefangenen kurzerhand erschossen hat... Da waren ... SS-Kommandos gekommen und hatten alle politischen und nichtpolitischen Insassen erschossen."(65)

Auch in Bayreuth erschien am 13. April, ein Tag vor der Befreiung, ein SS-Führer im Zuchthaus und sagt zu einem Gefängnisbeamten: "Bestellen Sie dem Herrn Direktor, die politischen Gefangenen müssen morgen unbedingt erschossen werden. Die Anordnung des Sicherheitshauptamtes für den Fall der Gefahr besteht seit langem, der Reichsjustizminister hat ausdrücklich zugestimmt... Also am frühen Morgen komme ich wieder. Die Leichen schaffen wir fürs erste in den abgelassenen Teich und schütten ein Fass Chlor darüber. Wenn Sie nicht genügend Feuerkraft haben, so holen wir uns noch einen Zug von der Waffen-SS aus der Eremitage."(66) Der Verwaltungsbeamte hat Bedenken: "Aber wenn Sie gestatten - es würde sich doch allein bei uns um über tausend Menschen handeln. Ich will ja natürlich nichts gesagt haben, aber ich meine - zum Beispiel schon die Sache mit den Leichen - rein technisch - ich meine nur - "(67)

Am nächsten Morgen kam der SS-Führer wieder zum Zuchthaus und befahl: "Bis acht Uhr sollen die Standgerichte erledigt sein... Also dann auf heute Nachmittag, sagen wir fünf Uhr. Das Kommando für die Exekution bringe ich mit..."(68) Doch die amerikanischen Truppen kommen der SS zuvor.(69) Zunächst erscheinen sie nur mit einem Panzerspähwagen, da sie mit den Deutschen über die Übergabe der Stadt verhandeln wollen. Die Deutschen lehnen jedoch die Kapitulation ab. Die Amerikaner schlagen daher vor, dass die Gefangenen, zumeist Ausländer, aus dem Gefängnis evakuiert werden und am Waldrand Schutz suchen, wo sie von den Kämpfen verschont werden können. Die Gefängnisleitung willigt ein, über tausend Mann rücken in einer langen Kolonne in Sechserreihen ab. "Hier und dort bricht einer von uns nieder, manchem ist alle gleich, ein paar wollen gar nicht mehr mitgeschleppt werden. Geschosstreffer sind ganz selten, aber Erschöpfung und Nervenzerrüttung zwingen immer mehr von uns zu Boden. Das Hungerelend war zu arg."(70)

Nach kurzen Gefechten kapitulieren die Deutschen noch an diesem Tag, die Gefangenen kehren unversehrt in das Zuchthaus zurück. Es dauert noch einige Wochen, bis sie förmlich entlassen werden und nach Hause zurückkehren können. Doch noch ist das Elend nicht völlig durchgestanden. In den ersten Wochen nach der Befreiung sterben eine Reihe von Häftlingen an den Folgen der Unterernährung: "Die Zeit der grausamen Hungerkuren ist vorbei. Doch jetzt brechen die Mangelkrankheiten nachträglich immer quälender aus, die Lazarette füllen sich. Überall hapert es mit Stoffwechsel und Blutkreislauf. Und in den nächsten Wochen stehen wir in St. Georgen fast täglich an einem offenen Grabe."(71) Ähnliches wie Gerhard Schultze-Pfaelzer erzählt der Priester Raimund David: "Fast täglich besuchte ich die französischen Kranken, die in der Krankenabteilung lagen. Sie wurden ärztlich durch französische Internisten behandelt. Ein Dutzend dieser zu sehr geschwächten Unglücklichen konnte die Gesundheit nicht wieder erlangen. Ich bereitete sie auf die Ewigkeit vor und begleitete sie auf ihrem letzten Gang im Friedhof St. Georg... Am 10. Mai segnete ich die vierzehn Holzkreuze..."(72)
 
(65) Ewald Naujoks, a.a.O., S.74 f.
(66) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O. S.227
(67) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O. S.227
(68) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O. S.228
(69) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O. S.231
(70) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O. S.242
(71) Gerhard Schultze-Pfaelzer, a.a.O.
(72) Abbé Raimund David, a.a.O., S.153

Anmerkungen des Autors Philipp Oswalt zum voranstehenden Text:

Folgendes fehlt:

  1. Auf dem Schiffstransport von Berlin nach Coswig, als alle Gefangenen in einem 'Raum' zusammen eingesperrt waren, entwickelte sich eine politische Diskussion unter den politischen Häftlingen über das Scheitern des Widerstands. In den Berichten von Eugen Gerstenmaier und Gerhard Schultze-Pfaelzer wird die Debatte beschrieben.

  2. In den zitierten Quellen wird die Haftursache mancher Inhaftierter kurz beschrieben. Die politischen Ansichten der Gefangenen waren breit gestreut. Es gab Kommunisten, Sozialisten ebenso wie Christen, Konservative, NSDAP-Mitglieder und Unpolitische. Unter den Gefangenen gab es Prominente wie aus der Bewegung des 20. Juli, aber ebenso völlig unbekannte Widerständler. Die Haftursachen reichten von unvorsichtig-mutigen Bemerkungen im Schulunterricht bis zu Sprengstoffanschlägen.

  3. In den zitierten Quellen wird auch die Zeit zwischen Befreiung und Heimfahrt ausführlicher beschrieben. Neben den Nachwirkungen der Unterernährung wird z.T. berichtet, wie ehemalige Gefängnisbeamte bestraft wurden, wie die Interims-Verwaltung des Zuchthauses durch die Tschechen erfolgte, wie sich die formale Entlassung bis zur Überprüfung der Haftursache hinzog etc.

  4. Nach Bayreuth kamen nicht alle Untersuchungsgefangenen, sondern nur ein Teil. Nach der im Text zitierten Weisung Hitlers sollten nur die gefährlichen Hochverräter, namentlich Ausländer, nach Bayreuth gebracht werden. In einer anderen Quelle heißt es, dass die Untersuchungsgefangenen des VGH aus den Gerichtsbezirken Berlin und Braunschweig nach Bayreuth gebracht werden sollten. Vereinzelt wurden auch bereits Verurteilte nach Bayreuth verbracht. Nach welchen Kriterien die Auswahl tatsächlich erfolgte, konnte ich bisher nicht feststellen. Offensichtlich gab es auch Irrtümer bzw. Abweichungen von einem eindeutigen Auswahlkriterium. Fest steht allerdings, dass ein wesentlicher Teil der Untersuchungsgefangenen des VGH nach Bayreuth verbracht wurde.

  5. Die Beschreibung stützt sich, wie aus den Anmerkungen hervorgeht, im Wesentlichen auf Augenzeugenberichte sowie einige Dokumente von NS-Behörden. Der Wahrheitsgehalt beider Quellen lässt sich heute nicht mit letzter Gewissheit überprüfen. Der hohe Grad der Übereinstimmung der verschiedenen, unabhängig voneinander entstandenen Zeugenaussagen spricht allerdings für deren Wahrheitsgehalt.

  6. Über die Zeit nach der Befreiung könnten evtl. Akten der US-Army Auskunft geben (National Archives and Records Administration (NARA), RG 466; Series Title " Inspection Reports, 1946- 1954;" Entry A1 50; Folder Title "Bayreuth - St. Georgen Prison Ar.I;" Box 2 at 250/68/21/1“).

Anmerkungen des Landgerichts Bayreuth zum Autor und zu dessen Vater(73):

Der im Jahr 1964 geborene Autor Philipp Oswalt ist der Sohn des im Bericht mehrfach genannten Alfred Oswalt, der ebenfalls den Transport nach Bayreuth erdulden musste, jedoch überlebt hat.
Der im Jahr 1910 geborene Alfred Oswalt machte sich im Herbst 1941 als Architekt selbstständig. Im Juni 1942 wurde er zum aktiven Wehrdienst eingezogen. Es gelang ihm jedoch, einen Wehrmachtsbürokraten zu bestechen, der ihn wegen „kriegswichtiger Tätigkeit“ vom Wehrdienst freistellte. So kaufte er sich Anfang 1943 in einer Baufirma ein, die für private wie staatliche Auftraggeber für zivile wie militärische Zwecke Bauten erledigte, und nutzte die Firma zugleich für Widerstandsaktivitäten. Er stellte rassisch Verfolgte und Angehörige der Opposition gegen das NS-Regime ein und erreichte, dass ihm vom Reichsministerium Speer rassisch und politisch Verfolgte - Personen jüdischer Abstammung, „Zigeuner“ und Angehörige der SPD und DAP - als Zwangsarbeiter zugewiesen wurden, um ihnen dann helfen zu können. Mehrfach gelang es ihm, die Verhaftung von der Gestapo gesuchter Personen zu vereiteln, unter anderem schickte er „halbjüdische“ Zwangsarbeiter und andere Verfolgte auf eine Baustelle nach Lothringen, von wo sie beim baldigen Vorrücken der Westfront in den Westen fliehen konnten. Alfred Oswalt nahm geschäftliche Beziehungen zu einer Firma im Grenzgebiet in der Nähe von Singen am Bodensee auf, um Juden zur Flucht in die Schweiz zu verhelfen. Er half anderen Verfolgten, sich zu verstecken, versorgte sie mit Lebensmitteln und Geld und verschaffte ihnen durch gefälschte Ausweispapiere eine neue Identität.

Durch die Beschaffung von holländischen Blanko-Pässen kam Oswalt in Kontakt mit einer kleinen deutsch-holländischen Widerstandgruppe. Zu dieser Gruppe gehörte der sozialistische Journalist Karel Roos, den er in seiner Firma als kaufmännischen Angestellten einstellte. Andere Mitglieder der Widerstandsgruppe arbeiteten bei Siemens. Gemeinsam führte man Flugblattaktionen zur Wehrdienstverweigerung durch, verhalf Verfolgten zur Flucht und bereitete Sprengstoffanschläge vor. Zuvor hatte die Widerstandsgruppe nach Angaben von Alfred Oswalt bereits eine militärisch wichtige Eisenbahnbrücke bei Bebra in die Luft gesprengt, um den Nachschub an die Westfront zu behindern.

Alfred Oswalt wurde 1944 von der Gestapo als Mitglied einer deutsch-holländischen Widerstandsgruppe verhaftet. Bei der Festnahme wurden ein Koffer mit Sprengstoff, antifaschistische Flugblätter sowie ein Dutzend holländischer Blanko-Pässe gefunden. Zu dem Kern der Gruppe gehörten neben Alfred Oswalt die Holländer Cornelius Hubers und Karel Roos. Die Holländer hatten Möglichkeiten, holländische Blanko-Pässe zu besorgen. Im Austausch erhielten sie dafür von Alfred Oswalt Sprengstoff, den dieser durch seinen Baubetrieb beschaffen konnte.

Die Verhafteten kamen zunächst in das Gefängnis Lehrterstraße 3 in Berlin. Am 25. November 1944 wurden sie aufgrund eines Haftbefehls des Volksgerichtshofs wegen Vorbereitung zum Hochverrat in das Zuchthaus Berlin-Plötzensee verbracht. Die Verhöre fanden bei der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße sowie in der ehemaligen Synagoge in der Oranienburger Straße statt. Im Zuchthaus Plötzensee starb der Prokurist der Firma, Diplomingenieur Walter Knoch, an den Folgen der Folter. Er war an den Widerstandsaktivitäten gar nicht beteiligt gewesen, doch hatte man nach seiner Verhaftung in seiner Wohnung einen Zettel gefunden, auf dem die Wellenlängen ausländischer Sender notiert waren.

Alfred Oswalt überlebte den Transport von Berlin nach Bayreuth, er wurde jedoch in Bayreuth ebenfalls misshandelt und in einer Dunkelzelle im Keller festgehalten. Am 14. April 1945 wurde er zusammen mit den überlebenden Gefangenen des Zuchthauses St. Georgen-Bayreuth von den amerikanischen Truppen befreit. Bei der Verhaftung hatte Alfred Oswalt 107 kg gewogen, bei der Befreiung wog er nur noch 58 kg.

Ende 1948 stellte Alfred Oswalt einen allgemeinen Antrag auf Wiedergutmachung, der 1951 abgelehnt wurde. Es bestehe kein Anspruch auf Widergutmachung, u.a. "weil das Vergehen, dessen er beschuldigt wurde, auch von anderen Staaten als Hochverrat behandelt wird." Alfred Oswalt klagte gegen die Ablehnung, der Rechtsstreit endete vier Jahre später mit einem Teilvergleich. Alfred Oswalt wurde als politischer Häftling anerkannt und erhielt eine Entschädigung für Freiheitsentzug von 750 DM. Nach über zehnjährigem Rechtsstreit wurde Alfred Oswalt schließlich vom Oberlandesgericht Karlsruhe 35.000 DM als Wiedergutmachung wegen Schaden im beruflichen Fortkommen zuerkannt.

Nach der Befreiung arbeitete Alfred Oswalt erneut als Architekt und Bauunternehmer. Er zog nach der Restitution des Hauses in die Holzhecke 27. 1958 heiratete er Irene Eucken. Mit ihr hatte er drei Kinder, Walter (1959-2018), Katrin (Jg. 1961) und Philipp (Jg. 1964). Als Folge von Haft und Folter litt er an Alpträumen, Bluthochdruck und Herzkrankheiten. Er starb am 7. Januar 1992.
 

(73) Stolperstein-Biographien in Niederrad der Stadt Frankfurt a.M.