Lowe, Carl Hermann
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Carl Hermann Hans Martin Wilhelm Fritz Lowe wurde am 07.10.1909 in Leipzig als Sohn des Hauptmanns a.D. Karl Hermann Lowe (geb. 11.01.1879 in Leipzig) und seiner Frau Ulla Ludwike Auguste Karoline Eleonore Lilly Martha, geb. von Schwanewede (geb. am 05.08.1885 in Dresden) geboren.
Nach dem Krieg setzte sich als Schreibweise seines Namens „Karl Hermann“ durch.
Lowe war evangelisch-lutherisch, trat jedoch im Herbst 1936 aus der Kirche aus und im Oktober 1937 den Deutschen Christen (DC) bei.
Er wohnte im Zeitraum
- 01.01.1933 - 31.12.1933 in Grimma, Lobeckstraße 11
- 01.01.1933 - 31.10.1934 in Brand-Erbisdorf, Türnerstraße 119
- 01.11.1934 - 31.03.1935 in Chemnitz, Weststraße 55c
- 01.04.1935 - 31.08.1935 in Leipzig, Tischbeinstraße 9/I
- 01.09.1935 - 31.10.1935 in Grimma, Lobeckstraße 11
- 01.11.1935 - 31.07.1936 in Leipzig C1, Sidonienstraße 56/III
- 01.08.1936 - 15.02.1937 in Bischofswerda, Gräfestraße 3
- 16.02.1937 - 15.05.1937 in Leipzig, Steinstraße 12/II
- 16.05.1937 - 31.10.1938 in Dresden, zunächst in der Albrechtstraße 36/I, später in der Strehlenerstraße 49/I.
Einen weiteren Wohnsitz hatte er u.a. auch in Dresden-A 16, Hindenburgufer 30.
Am 13.09.1939 zog Lowe berufsbedingt nach Gerolzhofen in Unterfranken in das dortige Anwesen Nr. 107.
Lowe schloss am 22.11.1937 in Grimma die Ehe mit Gertraud Hoyer (geb. 27.01.1912 in Chemnitz). Der Ehe entstammen zwei Kinder (geb. 1941 und 1943).
Nach dem Krieg und der Scheidung von seiner ersten Frau heiratete Lowe ein weiteres Mal. Am 15.05.1948 schloss er in München die Ehe mit der Sportlehrerin Barbara Dorothea Metger, geb. 11.05.1916 in Templin / Uckermark. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor.
Nach dem Krieg war Lowe im Zeitraum 15.05.1945 bis 22.04.1948 im Internierungslager Moosburg / Oberbayern interniert. Nach seiner Entlassung zog er zunächst nach Thurnau / Landkreis Kulmbach, und im Oktober 1949 nach Ulm, wo er sich eine neue private und berufliche Existenz aufbaute.
In Ulm wohnten Lowe und seine Frau in der Thränstraße 13 (Oktober 1949 bis Januar 1951), in der Wagnerstraße 93 (Januar 1951 bis Dezember 1974) und zuletzt (ab Dezember 1974) in der Lichtensteinstraße 5.
Im Jahr 1959 ließ er außerdem auf einem von ihm erworbenen Grundstück in der Gemarkung Anhofen, Krs. Günzburg, Am Weiler Happach, ein Einfamilienhaus errichten.
Lowe verstarb am 24. Oktober 1983 im Bundeswehr-Krankenhaus Oberer Eselsberg in Ulm (Sterberegistereintrag 1128/1983).
Lowe besuchte von 1916 bis 1918 die III. Höhere Bürgerschule in Leipzig. Da die Eltern mit ihm aus Leipzig wegzogen, erhielt er am neuen Wohnort privaten Gymnasialunterricht. Mit der Rückkehr der Familie nach Leipzig im Jahr 1919 trat er dort in die Thomasschule, ein humanistisches Gymnasium, ein. Im Frühjahr 1922 wechselte er auf die Fürstenschule in Grimma, wo er 1928 das Abitur ablegte.
Anschließend nahm er das Jurastudium auf und legte die Erste Staatsprüfung am 21.01.1933 in Leipzig, die Große Staatsprüfung am 29.07.1936 in Dresden jeweils mit der Note „Befriedigend“ ab.
Seit 29.07.1936 war er am AG Bischofswerda Assessor im Probedienst, seit 01.10.1937 Gerichtsassessor in Leipzig und Dresden.
Ab 01.09.1939 war er Amtsgerichtsrat am Amtsgericht Gerolzhofen im Landgerichtsbezirk Schweinfurt. Ab 18.08.1941 leistete er im Wege der Abordnung auch Dienst am AG Schweinfurt.
Ab 02. Januar 1945 wurde er abgeordnet in den Geschäftsbereich der Generalstaatsanwaltschaft Danzig und dort eingesetzt bei der Staatsanwaltschaft Elbing (heute Elbląg in Polen).
Wegen der näher rückenden Front (Elbing wurde am 10. Februar 1945 von der Roten Armee eingenommen) flüchtete Lowe zurück nach Westen und meldete sich am 05. Februar 1945 im Oberlandesgerichtsbezirk Bamberg zur Dienstleistung.
Mit Verfügung des Präsidenten des OLG Bamberg vom 07.02.1945 wurde er daraufhin mit Wirkung vom 15.02.1945 bis auf weiteres an das Landgericht Bayreuth abgeordnet. Gleichzeitig wurde er zum Hilfsrichter am Amtsgericht Bayreuth und zum Beisitzer bei dem Sondergericht Bayreuth bestellt.
Lowe war als Vertreter der Staatsanwaltschaft an einem Verfahren des Sondergerichts Bayreuth im Jahr 1945 (SG 1/45) beteiligt.
Lowe leistete Militärdienst bei der Reichswehr im Zeitraum 27.11.1934 bis 02.02.1935 und bei der sog. „Neuen Wehrmacht“ im Zeitraum 12.03.1938 bis 23.04.1938.
Er war Mitglied im „Jungdeutschen Orden“ und im „Wehrstahlhelm“, außerdem Mitglied der SA seit 01.10.1933 (dort Rottenführer).
SS-Anwärter war er seit 01.12.1937, am 30.01.1942 wurde er dort zum Staffeloberscharführer ernannt.
Außerdem war Lowe Mitglied der
- NSDAP (Mitgliedsnummer 2 380 806)
- NSV seit 01.03.1937 (Nr. 7132979)
- NSRB seit 03.01.1934 (Nr. 35116)
- RKB seit 1938
Von 1938 bis 1944 war Lowe außerdem Vertrauensmann des SD („SD“ steht im Dritten Reich für den „Sicherheitsdienst des Reichsführers SS“, im Jahr 1931 gegründeter Geheimdienst der SS und der NSDAP).
Nach dem Krieg wurde Lowe ab 15.05.1945 im amerikanischen Internierungslager Moosburg / Oberbayern, Baracke 29, interniert (Int.-Nr. 6 381 351).
Der Vorprüfungsausschuss bei Landgericht Schweinfurt beantragte in seinem Gutachten vom 25.09.1946 (vgl. Dokumente), Lowe in die Gruppe der „Belasteten“ einzustufen. Insbesondere die Berichtstätigkeit von Lowe für den SD (Anm.: Das Kürzel SD steht im Dritten Reich für den „Sicherheitsdienst des Reichsführers SS“. Er war der ab 1931 gegründete Geheimdienst der SS und der NSDAP) veranlasste den Präsidenten des Landgerichts Schweinfurt, in einem Schreiben vom 04.10.1946 (vgl. Dokumente) die Eingruppierung in die Gruppe der „Hauptschuldigen“ für erforderlich zu halten.
Lowe hingegen schrieb in einer Stellungnahme vom 07.01.1947, dass seine politische Einstellung vor 1933 „aktiv antinationalistisch“ gewesen sei. Seinen Beitritt zur NSDAP am 01.05.1933 habe er „mithin nicht auf Grund meiner Zustimmung zum Natsoz., sondern, wenn man von dem ausgeübten moralischen Druck absieht, dazu, um von meiner gänzlich anderen Grundeinstellung aus für Vernunft und Mässigung wirken zu können“, vollzogen. Er habe „niemals den Gedanken“ gehabt, „die NS-Gewaltherrschaft irgendwie zu unterstützen, sondern ich wollte ihr auch über den SD entgegenwirken, wenn ich schon infolge des Vorangegangenen genötigt war, in Rücksicht auf meine Existenz bei einer Gliederung zu sein. Mein Kampf ging hier wie in meinem Berufe um die Erhaltung des Rechts und des Rechtsstaats gegen die Willkür des NS-Systems. Ich trat also allenthalben für das Gegenteil einer Gewaltherrschaft ein. Damit vor allem leistete ich der NS-Gewaltherrschaft Widerstand.“
In seiner Klageschrift vom 27.05.1947 (vgl. Dokumente) beantragte der öffentliche Kläger bei der Spruchkammer des Internierungslagers Moosburg (Az. 2117), Lowe in die Gruppe II der „Belasteten“ einzureihen. Er habe sich zuweilen in SS-Uniform gezeigt und sei als SD-Mitarbeiter bekannt gewesen, weshalb man ihm in Justizkreisen mit Vorsicht begegnet sei. Er habe strengstens auf die Anwendung des „Hitlergrußes“ gehalten und etwaige Verstöße mit scharfen Worten gerügt.
In einer Klageerweiterung vom 22.01.1948 (vgl. Dokumente) beantragte er, über den ursprünglichen Antrag hinausgehend, Lowe in die Gruppe I der Hauptschuldigen einzureihen. Lowe sei derjenige Richter gewesen, der seine nazistische Einstellung am unverhülltesten zum Ausdruck gebracht habe. Man habe sich vor ihm in Acht nehmen müssen.
Am 27.02.1948 fand vor der Lager-Spruchkammer Dachau (Az. 1075/47 - 1052 L K) die öffentliche Verhandlung gegen Lowe statt. Hier führte Lowe gleich zu Beginn aus: „Bevor ich auf meine politische Verteidigung eingehe, möchte ich folgendes erwähnen: Mein Vater war Kaufmann und war ebenso wie meine Mutter viel im Ausland. Ich habe frühzeitig eine besondere Vorliebe und ein Interesse für die westliche Welt, vor allem für England und Amerika mitbekommen und das führte dazu, daß ich die politische Einstellung meines Elternhauses auch zu der meinen machte.“
Am Ende der Verhandlung entschied die Spruchkammer, Lowe in die Gruppe II der „Belasteten“ einzureihen und ihn u.a. für 3 Jahre in ein Arbeitslager einzuweisen. Außerdem wurde er für dauernd unfähig erklärt, ein öffentliches Amt einschließlich des Notariats und der Anwaltschaft zu bekleiden (vgl. Dokumente).
Gegen diese Entscheidung legte Lowe mit Schreiben vom 29.03.1948 Berufung ein.
Auf Grundlage der Anordnung des Sonderministeriums, die Berufungsinternierten der Lagerspruchkammern zu entlassen, soweit gegen sie kein Festhaltebefehl nach Art. 40 Befreiungsgesetz bestand, wurde Lowe am 22.04.1948 aus dem Internierungslager entlassen. Er zog nach Thurnau / Krs. Kulmbach, Haus Nr. 65.
Für die Berufungsentscheidung war die Berufungskammer für Oberbayern, Außenstelle Ingolstadt, Senat Freising (Ber.-Reg. Nr. 950/48) zuständig. Diese übernahm die Erzählung von Lowe und entschied am 08.02.1949, Lowe in die Gruppe IV („Mitläufer“) einzureihen (vgl. Dokumente).
Im gesamten Spruchkammerverfahren spielte die berufliche Tätigkeit von Lowe an der Staatsanwaltschaft Elbing und am Sondergericht Bayreuth keine Rolle. Sie wurde nicht einmal erwähnt.
Auch seine zweite Ehefrau Barbara, die seit 1937 nicht nur NSDAP-Mitglied, sondern im BDM (der Bund deutscher Mädel war die Mädchenorganisation der NSDAP) von 1943 bis 1945 auch sog. Hauptmädelführerin gewesen war, wurde nicht, wie vom öffentlichen Kläger bei der Spruchkammer XI/München am 20.08.1948 beantragt, als „Hauptschuldige“ eingestuft, sondern mit Entscheidung vom 05.10.1948 (Az.: XI/1040/48) ebenfalls als Mitläuferin.
Als bloßer Mitläufer konnte Lowe wieder alle öffentlichen Ämter ausüben, auch als Rechtsanwalt arbeiten.
In den Folgejahren baute er sich als Rechtsanwalt eine neue Existenz in Ulm auf. Dort betrieb er unter der Adresse Hafenbad 20 eine Kanzlei. Lowe war in der Stadtgesellschaft Ulm nicht nur als Rechtsanwalt, sondern auch als Vorsitzender der dortigen Verkehrswacht und des Bundes der Steuerzahler hochangesehen (vgl. Nachruf unter "Dokumente")..
- Engelbrecht „Ende und Neubeginn“, Verlag Heinz Späthling, 2022, S.239
- BArch R 9361-III/121967
- BArch R 3001/67101
- StABa Rep. K 100/5 Nr. 3110
- StAM Spruchkammern Karton 1079 Lowe, Karl Hermann
- StAM Spruchkammern Karton 1079 Lowe, Barbara
- StAA Baupläne Günzburg 349/1959
- Stadtarchiv Leipzig
- Stadtarchiv Ulm
