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Dr. Walter, Paul

geb. am 14.07.1908 in Bamberg

Dr. Paul Walter wurde am 14.07.1908 in Bamberg als Sohn des techn. Bahninspektors Georg Walter und dessen Ehefrau Gertraud, geborene Jöbstel, geboren.


Er besaß die röm.-katholische Konfession.


Am 10.10.1949 heiratete er in Bamberg Frau Luise Klein, geb. am 27.02.1919.


Die Eheleute hatten zwei gemeinsame Kinder.


Als Assessor wohnte er in Bamberg, Untere Königstraße 27. Im Jahr 1939 verzog er nach Königshofen. Ab 1940 wohnte er in Hof, Ludwigstraße 33. Seit 19.11.1959 und bis zu seinem Tode lebte er in Bamberg, Ludwigshöhe 5.


Dr. Walter starb am 28.09.1980 im Allgemeinen Krankenhaus Bamberg.

 

Dr. Walter absolvierte Anfang der 1930er Jahre sein Studium, anschließend sein Referendariat am LG Würzburg.

Im Zeitraum 15.07.1939 bis Ende September 1940 war er Assessor in Königshofen, anschließend am LG Hof. Später wurde er zum Amtsgerichtsrat am AG Hof ernannt.

Dr. Walter war als Richter lediglich an einem einzigen Verfahren des SG Bayreuth (SG 59/44), beteiligt, in dem jedoch ein Todesurteil verhängt wurde. Hierzu kam es, weil er mit Verfügung des Präsidenten des OLG Bamberg vom 02.01.1945 „an Stelle des dienstlich verhinderten Landgerichtsrats Dr. Hagen“ als weiterer Beisitzer für jenes Verfahren bestellt wurde (vgl. Dokumente).

In der am 03.01.1945 in Hof stattfindenden Verhandlung verurteilte das Sondergericht Bayreuth unter Mitwirkung von Dr. Walter (als Beisitzer) den Angeklagten Johann Schlosser als „Volksschädling“ zum Tode. 

Der Verurteilte Johann Schlosser wurde am 14.02.1945 in Frankfurt-Preungesheim hingerichtet.

Dr. Walter war Mitglied

  • der NSDAP seit 01.05.1937 (Mitglieds-Nr. 3 993 373), dort 1939/1940 auch kommissarischer Ortsgruppengeschäftsführer und Blockwalter bei der Ortsgruppe Königshofen
  • in der HJ seit 01.05.1943, dort auch Rechtsreferent und Scharführer
  • im NSRB seit 1934 (A 20.718/39)
  • im NSV seit 1940, doet seit 1941 Blockwalter
  • im RKB seit 1941

Durch Verfügung der amerikanischen Militärregierung in Hof vom 27.08.1945 wurde Walter als Amtsgerichtsrat des AG Hof entlassen.


Am 07.10.1945 bat er bei der Militärregierung um Wiedereinstellung und schrieb zur Begründung u.a.:
 

„Als überzeugter und kirchentreuer römisch-katholischer Christ stand ich von Anfang an der nationalsozialistischen Weltanschauung mit ihrer kirchenfeindlichen Einstellung, ihrer Rassentheorie und Überheblichkeit gegen andere Völker sowie ihrer Herrschaftspolitik verneinend gegenüber. An der Vergewaltigung der Gewissens- und Meinungsfreiheit trug ich schwer. Deshalb lehnte ich jedes Amt in der Partei und den Beitritt zu irgendwelchen Gliederungen (SA., SS., NSKK. usw.) ab.

Als Richter war ich in der Hauptsache in Zivilsachen tätig; politische Delikte hatte ich nicht abzuurteilen. …“

 

Der öffentliche Kläger bei der Spruchkammer Hof-Stadt beantragte in seiner Klageschrift vom 21.08.1946, Dr. Walter in die Gruppe II der Belasteten einzureihen und führte u.a. aus:
 

„Der Betroffene hat in seinem Meldebogen verschiedene Tatsachen verschwiegen, die sich durch Ermittlungen ergaben. Z.B.: er war im R.L.B. vom 1941-45. Er war ab Okt. 1939 kommiss. Ortsgr.Gesch.-Führer und Blockleiter der Ortsgruppe Königshofen. Er war Bannrechtsreferent und Untersuchungsführer der HJ Bann 329 Hof. Als hoher Gerichtsbeamter sollte er selbst wahrheitsgetreue Angaben machen, wenn es schon von einem nicht besonders begabten Deutschen verlangt wird. (Art. 65)“


Am 03.03.1947 entschied die Spruchkammer I Hof-Stadt, Az. W/24/8/46:


Der Betroffene ist in die Gruppe 4 - Mitläufer - nach Art. 62 Satz 2 einzureihen.

Es werden ihm folgende Sühnemaßnahmen auferlegt: RM 1000.-- nach Art. 18/1


Der Kassationshof im Bayerischen Staatsministerium für Sonderaufgaben (Az. K 4490) hob mit Beschluss vom 08.07.1947 diese Entscheidung auf und ordnete die erneute Durchführung des Verfahrens an. Die Spruchkammer Hof, so der Kassationshof, habe zu Unrecht die Voraussetzungen des Art. 62 bejaht.


Die Spruchkammer I Hof-Stadt entschied dessen ungeachtet am 02.10.1947 nochmals exakt genauso wie bereits am 03.03.1947 (vgl. Dokumente).


Dr. Walter fand in der Folge erneut Anstellung bei der bayerischen Justiz. Den genauen Wiedereinstellungstermin kennen wir zwar bislang noch nicht, auch nicht seine genauen Verwendungen, als sicher konnten wir jedoch feststellen, dass er u.a. Landgerichtsrat bei dem LG Bamberg war.

  • BArch R 9361-II / 1017184
  • BayHStA MJu 26937
  • StABa Rep. K 100/5 Nr. 3110 (Generalakten OLG Bamberg „Sondergerichte“ Nr. 3234 Bd. I)
  • StABa Spruchkammer Hof-Stadt 3345
  • Stadtarchiv Bamberg
  • Markus Materna „Richter der eigenen Sache“, Nomos-Verlag, 1. Aufl. (2021), S. 540