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Dr. Schmitt, Hans Wilhelm (Willy)

02_Kollektionen/Richter/Dr.
geb. am 30.06.1883 in Nürnberg

Hans Wilhelm, genannt Willy Schmitt wurde am 30.06.1883 in Nürnberg als Sohn des Studienrates Dr. Hugo (geb. 01.04.1858 in Oberbach) und dessen Ehefrau Julie Schmitt, geb. Winkler (geb. 20.08.1859 in Aschaffenburg), geboren. Er besaß die röm-kath. Konfession.

Schmitt schloss am 28.12.1911 die Ehe mit Ottalina Langhäuser, geb. 19.08.1887 in Würzburg. Die Eheleute hatten drei gemeinsame Kinder.

Die Ehe mit Lina wurde am 19.02.1936 „aus Verschulden der Frau“ geschieden. Schmitt hatte angegeben, seine Ehefrau „habe ihm grundlos seit 1921 den ehelichen Verkehr verweigert und jegliches eheliche Gefühl verloren.“ Nur wenig später, am 25.03.1936, heiratete Dr. Schmitt in Hof seine zweite Ehefrau Margarete Schroeter, geb. 04.06.1897 in Hamm/Westfalen, geschiedene Kaul, mit der er bereits vor Eheschließung und deren Scheidung seit 1927 ein außereheliches Verhältnis gepflegt hatte (zu seiner auch die dienstlichen Belange des Richters betreffenden außerehelichen Beziehung vgl. unter „Beruflicher Werdegang“).

Während seiner beruflichen Tätigkeit in Würzburg war Dr. Schmitt wohnhaft dort, Sanderring 23, später wohnhaft in Hof, Luitpoldstraße 19 und Theresienstaße. 2.

In Bayreuth wohnte er in der Lotzbeckstraße 12.

Nach dem Krieg wohnte Dr. Schmitt in Oberbach / Bad Brückenau, dem Geburtsort seines Vaters. Von dort verzog er am 28.06.1948 in den Haushalt seiner Tochter nach Ziegelhausen im Landkreis Heidelberg (heute Stadtteil von Heidelberg). Dort, im Anwesen Schönauerstraße 22, lebte er bis zu seinem Tod am 09.07.1963. 

In Würzburg besuchte Schmitt die vierjährige Volksschule und nachfolgend absolvierte er dort auch die neunjährige höhere Schulausbildung auf einem humanistischen Gymnasium. Dem folgte das Jurastudium an der Universität Würzburg, wo er im Jahr 1907 die Referendarprüfung ablegte.

Vom 01.10.1907 bis 1908 leistete er Militärdienst als sog. „Einjährig-Freiwilliger“ im 12. Feldartillerie-Regiment in Landau / Rheinpfalz, den er als Unteroffizier und Offiziersanwärter beendete. Infolge einer bei einer Schießübung im Lager Lechfeld erlittenen schweren Trommelfellverletzung war er übungsunfähig geworden.

1909 promovierte er an der Universität Würzburg zum Dr. jur. et rer.pol.

1911 schließlich absolvierte er mit Prädikat (Notensumme 69) das Assessorexamen.

Nach dem Abschluss seiner juristischen Ausbildung war er zunächst bis Herbst 1912 als Volontär in der Nationalbank für Deutschland in Berlin tätig, dem folgte eine  Rechtsanwaltstätigkeit in Würzburg  

01.02.1913   ständiger Hilfsarbeiter in Jugendgerichtssachen am AG Würzburg

15.09.1913   Amtsanwalt am AG Weiden

Am 06.08.1914 meldete er sich freiwillig zum Kriegseinsatz im Heer. Er war sowohl an der Westfront in Frankreich und Flandern als auch an der Ostfront im Kampf gegen Russland eingesetzt. Im Jahr 2016 musste er wegen Typhus ins Heimatlazarett, im Oktober 1917 erlitt er bei der Schlacht in Flandern eine Gasvergiftung. Am 03.03.1918 wurde er als Intendanturassessor ins Bayerische Kriegsministerium kommandiert, am 31.03.1919 schließlich aus dem Kriegsdienst entlassen. Am 09.04.1919 – bereits als Zivilist- beteiligte er sich bei den Straßenkämpfen in Würzburg zur, wie er es selbst in einem Lebenslauf schilderte, „Niederwerfung der Spartakistenherrschaft“.

 

Während seiner Kriegseinsätze ging seine Laufbahn bei der Justiz weiter. 

01.07.1915  
3. Staatsanwalt StA bei dem LG Weiden

01.04.1919  
3. Staatsanwalt StA bei dem LG Würzburg

16.05.1920  
Amtsrichter am AG Würzburg

01.10.1920  
2. Staatsanwalt StA bei dem LG Würzburg

01.04.1929  
Landgerichtsrat am LG Würzburg

Am Landgericht Würzburg war jedoch ein Dienstaufsichtsverfahren gegen ihn geführt worden, da er ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau pflegte, das „in weiten Kreisen der Würzburger Bevölkerung“ bekannt und besprochen wurde. Mehrfache Versuche, auf Dr. Schmitt und seine Geliebte einzuwirken, blieben erfolglos. Schmitt wurde daraufhin an das Landgericht Hof (straf-)versetzt.

 

01.01.1936  
Landgerichtsrat am LG Hof

01.06.1939  
Landgerichtsdirektor am LG Hof

22.05.1942  
Abordnung an das Sondergericht Bayreuth

Schmitt hatte bereits seit 1938 um Versetzung „in ein milderes Klima“ gebeten, da das rauhe Klima in Hof seiner Gesundheit schade.

Seit der Abordnung und mit Gründung des Sondergerichts Bayreuth, das auch für den Landgerichtsbezirk Hof zuständig war, wurde er als dessen Vorsitzender eingesetzt.

In einer dienstlichen Beurteilung des Hofer Landgerichtspräsidenten Drescher vom 01.01.1943 wurde Schmitt neben seinem „starken, überall hervortretenden Ehrgeiz und übertriebenen Selbsteinschätzung“ bescheinigt, „politisch unbedenklich zuverlässig“ zu sein und „gute“ Leistungen als Vorsitzender des Sondergerichts zu erbringen (vgl. unter Dokumente „Dienstliche Beurteilung Jan. 1943“).

  • Frontkämpfer 06.08.1914 - 19.09.1917 „im Felde (Westen und Osten)“; Oberleutnant d.R.; Gasvergiftung und Nervenzusammenbruch; als Reichswehrangehöriger Teilnahme an Niederschlagung des Spartakus-Aufstandes in Würzburg (als Spartakusaufstand bezeichnet man den Generalstreik und die bewaffneten Kämpfe in Berlin vom 5. bis 12. Januar 1919 im Zusammenhang mit der Novemberrevolution)
  • seit 1919 Mitglied des Freikorps Epp (militärischer Verband aus Freiwilligen und Zeitfreiwilligen in der frühen Weimarer Republik, benannt nach seinem Führer, Oberst Franz Ritter von Epp) 
  • Mitglied des „Stahlhelm“ (Bund der Frontsoldaten; Wehrverband zur Zeit der Weimarer Republik) vom 25.02.1932 bis 01.02.1934
  • Mitglied der SA (nach der Gleichschaltung des „Stahlhelm“ durch Unterstellung unter die SA) als Scharführer seit 01.02.1934. Als SA-Truppführer absolvierte er im Januar 1938 an der Gruppenschule Thurnau einen zehntägigen Lehrgang zum Erwerb des Lehrscheins. Seit 01.02.1934 war er Sturmführer, am 09.11.1936 wurde er zum Obersturmführer befördert.
  • Mitglied der NSDAP seit 01.05.1933 (Mitglieds-Nr. 3 435 638)

In einem Schreiben der NSDAP-Gauleitung Bayerische Ostmark an den Präsidenten des OLG Bamberg vom 10.11.1937 heißt es:

„Er ist ein objektiv urteilender Richter, der auch in juristischen Angelegenheiten streng die nationalsozialistische Weltanschauung vertritt“

Noch bis 08.05.1945 war Dr. Schmitt ständiger Vertreter des Landgerichtspräsidenten in Hof. Am 03.07.1945 wurde er durch die Militärregierung in Hof aus dem Justizstaatsdienst entlassen.

 

Die Spruchkammerentscheidung der Hauptkammer I Hof/S. v. 22.12.1948 lautete:

  1. Der Betroffene ist Mitläufer […]
  2. Von der Verhängung von Sühnemaßnahmen […] wird Abstand genommen.
  3. Die Kosten des Verfahrens trägt der Betroffene.

Dr. Schmitt ersuchte daraufhin um Wiederverwendung und gleichzeitige Ruhestandsversetzung.

Mit Bescheid des Bayer. Staatsministeriums der Justiz vom 06.04.1949 wurde Dr. Schmitt eröffnet, dass „Ihrem Gesuch um Wiedereinstellung und gleichzeitige Versetzung in den Ruhestand … im Hinblick auf Ihre politische Belastung nicht entsprochen werden“ könne. Ihm stünden jedoch gekürzte Versorgungsbezüge aus seiner letzten Besoldungsgruppe zu.

Schmitt galt dienstrechtlich als in Ruhestand befindlich mit Ablauf des 30.06.1948 (das Datum entsprach der Vollendung seines 65. Lebensjahres).

15 Jahre später, am 09.07.1963, verstarb Dr. Schmitt in Heidelberg.

 

 

  • BArch R 9361/III/576046
  • BArch R 9361/II/1110439
  • BArch R 9361/III/569339
  • BArch R 3001/74740
  • BArch R 3001/74741
  • BayHStA MJu 26937
  • BayHStA MJu 26093
  • StABa, OLG Bamberg, Personalakten K 100/4 Nr. 4665
  • StABa Hauptkammer I Hof/S. v. 22.12.1948
  • Stadtarchiv Heidelberg
  • Markus Materna „Richter der eigenen Sache“, Nomos-Verlag, 1. Aufl. (2021), S. 62f., 113, 146, 538