Gau Bayreuth und seine Gauleiter

- Matthias Burghardt -

Bayreuth war von 1933 bis 1945 „Gau-Hauptstadt“. Die Gauleiter hatten enormen Einfluss, vor allem bei der Durchsetzung der NS-Ideologie, damit aber auch auf die Besetzung von Richter- und Staatsanwaltsstellen.

Welches Gebiet umfasste dieser Gau und wer waren die Gauleiter?

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Ein genaues Datum der erstmaligen Verwendung der Bezeichnung "Bayerische Ostmark" lässt sich nicht feststellen. Offensichtlich wurde in Analogie zu den preußischen Ostprovinzen die Bezeichnung "Ostmark" nach dem Ersten Weltkrieg auf die ostbayerischen Gebiete (Niederbayern, Oberpfalz, Oberfranken) übertragen, die nun in Grenzlage zur neuen, als Feind wahrgenommenen Tschechoslowakei lagen.

Die Bezeichnung "Mark" geht dabei auf das althochdeutsche "marcha" = Grenze zurück, etymologisch verwandt mit dem lateinischen "margo"= Rand. Seit der Zeit der Karolinger waren die "Marken" Grenzterritorien, die unter verstärktem militärischem Schutz standen. Sie dienten der Sicherung des Reichsgebietes, später waren es Grafschaften, die einem "Markgrafen" unterstellt waren. Die mittelalterliche bayerische "Ostmark" umfasste das Gebiet zwischen Enns und Leitha, in dem Karl der Große eine "Awarische Mark" errichtet. Sie war das Kernland des späteren Herzogtums Österreich (heutiges Niederösterreich).(1)

Der neue "Gau Bayerische Ostmark" reichte von Coburg im Nordwesten bis Passau im Südosten, im Osten grenzte er an die 1918 neu gebildete tschechoslowakische Republik. Er umfasste die heutigen Regierungsbezirke Oberfranken, Oberpfalz und Niederbayern, seit dem Münchner Abkommen im Frühjahr 1938 auch kleinere Teile des an das Deutsche Reich angegliederten Sudetenlandes.

Die Gauleiter waren die ranghöchsten regionalen Hoheitsträger der NSDAP, die verantwortlich für den gesamten Parteiapparat in ihrem jeweiligen Territorium waren und zu diesem Zweck ein Aufsichtsrecht und die Disziplinargewalt besaßen.

 


(1) Schaller in Historisches Lexikon Bayerns

Gau

Die bayerische Ostmark ruft. Illustrierter Führer durch die Reisegebiete der bayerischen Ostmark,

Bayreuth 1935, Deckblatt.

Gau

Karte der Bayerischen Ostmark, 1934. (aus: Kurt Trampler, Bayerische Ostmark. Aufbau eines deutschen Grenzlandes, München 1934, Anhang)

Der "Gau Bayerische Ostmark" sollte ein "Bollwerk gegen die Slawengefahr" darstellen, wie es wörtlich in der Verfügung Adolf Hitlers vom 19. Januar 1933 hieß. Die NSDAP fasste die "Bayerische Ostmark" vor allem als Grenzgau auf, ähnlich der "Westmark" (Pfalz und Saarland) gegenüber Frankreich. Inoffiziell in Gebrauch waren die Bezeichnungen "Nordmark" (Schleswig-Holstein) gegenüber Dänemark und "Südostmark" (Kärnten) gegenüber Südosteuropa.

 

1942 wurde der "Gau Bayerische Ostmark" auf Weisung aus Berlin hin umbenannt in "Gau Bayreuth", da, durch die kriegerischen Ereignisse bedingt, der Gau keine Randlage, sondern nunmehr eine zentrale Lage im damaligen Herrschaftsgebiet des Deutschen Reiches einnahm. Vergleichbar war nur die Neubenennung des "Gaues Salzburg". Beide Städte waren Festspielstädte, wobei Bayreuth von Hitler, Salzburg von Goebbels gefördert wurde.(1)

 

(1) Schaller in Historisches Lexikon Bayerns

Gau

Die Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele im Jahr 1944. © picture-alliance / dpa

Die Gauleiter

Hans Schemm (Gauleiter 19.01.1933 - 05.03.1935)

Bereits 1922 gab es in allen größeren Städten Oberfrankens, so auch in Bayreuth, Ortsgruppen der NSDAP. Im Januar 1923 wurde offiziell die Ortsgruppe Bayreuth der NSDAP gegründet. Sie unterlag aber nach dem Hitlerputsch dem Verbot der Partei vom 13. November 1923.

Ende 1924 wandte sich der Lehrer Hans Schemm (* 6. Oktober 1891 in Bayreuth; † 5. März 1935 in Bayreuth) dem Nationalsozialismus zu. Als im Februar 1925 die NSDAP neu begründet wurde, übernahm er die Neuorganisation der NSDAP in Bayreuth und bald darauf in Oberfranken. Anlässlich einer Kundgebung in Kulmbach im Mai 1927 wurde Schemm zum "Frankenführer" ausgerufen. Im Oktober 1927 bestätigte ihn Adolf Hitler (1889-1945) als Bezirksleiter der Partei für das östliche Oberfranken. Nach der Gründung des Gaues Oberfranken am 1. Oktober 1928 wurde Schemm zum Gauleiter bestimmt und damit endgültig zur NS-Leitfigur für Bayreuth und Oberfranken.(1)

Schemm, der über eine außerordentliche Rhetorik und Gestik verfügte, war auch Mitglied des Bayerischen Landtages in München und später des Reichstages in Berlin. Er hielt im Monat mindestens 20 politische Reden. 1929 begründete er in Hof den "Nationalsozialistischen Lehrerbund" (NSLB), der seinen Hauptsitz in Bayreuth nahm.


Im Jahr 1930 war gegen Schemm bei der Bayreuther Justiz ein Verfahren wegen Körperverletzung anhängig (Az. B 910/30 ). Grund war ein Handgemenge zwischen nationalsozialistischen und sozialdemokratischen Stadträten in der öffentlichen Sitzung des Stadtrates Bayreuth vom 22.09.1930.


Im Januar 1933 konnte sich Hans Schemm gegen den innerparteilich geschwächten Gauleiter von Niederbayern-Oberpfalz, Franz Maierhofer (1897-1943), durchsetzen und bei Adolf Hitler die Vereinigung der Gaue Oberfranken und Niederbayern-Oberpfalz zum Gau "Bayerische Ostmark" mit der Gauhauptstadt Bayreuth erreichen.


Hans Schemm war Gauleiter des Gaus Bayerische Ostmark vom 19.01.1933 bis zum 05.03.1935, sein Stellvertreter war Ludwig Ruckdeschel. Am 16. März 1933 wurde Schemm von Reichsstatthalter Franz Ritter zum kommissarischen Kultusminister Bayerns (Kabinett von Epp) ernannt. Hitler berief ihn dann am 13. April 1933 zum „Leiter der kulturellen und erzieherischen Angelegenheiten Bayerns“. Aufgrund dessen hatte auch der NSLB (NS-Lehrerbund) und der Reichsstenographenbund seinen Sitz in Bayreuth. Auch unter der Regierung von Ludwig Siebert (Kabinett Siebert) blieb Schemm bis zu seinem Tode bayerischer Kultusminister. 1933 publizierte er das Buch Gott, Rasse und Kultur. Auf der Tagung Die Erziehung im nationalsozialistischen Staat, die vom 1. bis 5. August 1933 in München stattfand, rechtfertigte er in einem Referat die nationalsozialistische Gleichschaltung:

"Der Nationalsozialismus kam zum Siege durch sein begeistertes Bekenntnis zur Totalität. Und wir werden deswegen nicht nachgeben, bis auch die Letzten … gleichgeschaltet und die, welche nicht wollen, aus irgendwelchen Gründen weggestorben sind.“ (2)


Schemm wurde 1933 Ehrenbürger von Bayreuth, später auch von Eggenfelden und Hof.


Am Faschingsdienstag des Jahres 1935 stürzte Schemm mit dem Gauflugzeug beim Start vom Flugplatz Bayreuth ab. Es gab Gerüchte, dass der Absturz alkoholbedingt gewesen sei oder Schemm selbst das Flugzeug gesteuert habe. Hitler persönlich beorderte den Würzburger Chirurgen August Bier und den Berliner Professor Ferdinand Sauerbruch per Flugzeug nach Bayreuth, Schemm erlag jedoch vor deren Eintreffen am 5. März 1935 im Städtischen Krankenhaus seinen Verletzungen.


Die Trauerfeier für Schemm wurde durch Hans Reissinger im Haus der Deutschen Erziehung als Staatsakt aufwendig inszeniert. Trotz einer Erkältung nahm auch Adolf Hitler daran teil, der evangelische Landesbischof Meiser ließ zum Staatsakt alle Kirchenglocken des Gaus Bayerische Ostmark läuten.(3)


Nach dem Tode Schemms wurde zunächst sein Stellvertreter Ruckdeschel bis 06.12.1935 vorübergehend mit der Geschäftsführung der Gauleitung betraut war.  Nachfolger Schemms als Gauleiter und Reichswalter des NSLB wurde dann ab 05. Dezember 1935 Fritz Wächtler.

Gau

Hans Schemm, Gauleiter der Bayerischen Ostmark 1933-1935, nicht datiert. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)

 

Gau

Führer zur Reichstagung des Nationalsozialistischen Lehrerbundes Bayreuth. 10. -13. Juli 1936.
von Eduard Rothemund Verlag: Bayreuth, erschienen 1936.

 

Gau

Bayreuth, Haus der Deutschen Erziehung

(1) Schaller in Historisches Lexikon Bayerns
(2) Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 5. aktualisierte Auflage, S. 530
(3) Bernd Mayer: Der Absturz einer braunen Kultfigur. In: Heimatkurier. 1/2010 des Nordbayerischen Kuriers, S. 4 ff.
Fritz Wächtler (Gauleiter 05.12.1935 - 19.04.1945)

Fritz Wächtler (* 7. Januar 1891 in Triebes; † 19. April 1945 in Waldmünchen) war Sohn eines Uhrmachers. Von April 1897 bis März 1905 besuchte er die Volksschule in Triebes (Thür.) und Erfurt, von April 1905 bis März 1911 das Lehrerseminar in Weimar. Ab 19.04.1911 war er Schulamtskandidat in Vippachedelhausen, am 05.02.1913 absolvierte er die Staatsprüfung als Volksschullehrer, bevor er vom 03.06. bis 01.10.1913 als Lehrer an der einklassigen Volksschule in Vippachedelhausen (Krs. Weimar) tätig war.

Am 01.10.1913 trat er als Einjährig-Freiwilliger in das 5. thüringische Infanterie-Regiment "Großherzog von Sachsen" Nr. 94 ein, ab 07.08.1914 leistete er Militärdienst als Gewehrführer in der MG-Kompanie des Infanterie-Regiments 94, im Leichten Infanterie-Regiment 7 und Bahnhofskommando 283 (Westfront). Im Jahr 1915 wurde er zum Leutnant d.R. befördert, im Frühjahr 1916 verwundet, danach war er zunächst nicht mehr feldverwendungsfähig. Im Januar 1918 leistete er erneut Kriegsdienst, bevor er im November 1918 aus dem Heeresdienst entlassen wurde. Anschließend, d.h. von Februar 1919 bis ins Jahr 1932 arbeitete er zunächst wieder als Lehrer in Vippachedelhausen.
 

Im April 1926 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 35.313). In seiner neuen Funktion war Wächtler Gründer und Leiter der Ortsgruppe von Triebes und Führer der dortigen SA. Gleichzeitig wurde er Bezirksleiter der Partei für Weimar-Nord. Im Juni 1929 wurde Wächtler zum Gauorganisationsleiter und stellvertretenden Gauleiter für den Gau Thüringen ernannt und im Dezember 1929 zum Mitglied des Landtages gewählt. Ab August 1932 fungierte Wächtler als Volksbildungsminister im Kabinett von Fritz Sauckel und bis Anfang 1936 unter Willy Marschler. Von Mai 1933 bis Dezember 1935 hatte er zusätzlich das Amt des Innenministers inne.(1) Vom 13.05.1933 bis 22.01.1936 war er Stellvertretender Thüringischer Ministerpräsident, am 26.02.1935 aus gesundheitlichen Gründen von der Leitung des Thüringischen Volksbildungsministeriums und des Ministeriums des Innern beurlaubt. Seit November 1933 war Wächtler NSDAP-Reichstagsabgeordneter. Im November 1934 trat er in die Schutzstaffel (SS-Nr. 209.058) als SS-Oberführer ein. Wächtler war evangelisch, am 25.11.1936 trat er jedoch aus der Kirche aus.(2)
 

Wächtler war Gauleiter in Bayreuth im Zeitraum 05.12.1935 bis 19.04.1945.  Außerdem war er vom 05.12.1935 bis 18.02.1943 Reichswalter des NSLB (NS-Lehrerbund) und Leiter des Hauptamts für Erzieher in der Reichsleitung der NSDAP. Ab 05.12.1935 war er Reichshauptamtsleiter der NSDAP, ab 01.05.1938 vorübergehend kommissarischer Oberbürgermeister der Gauhauptstadt Bayreuth. Am 17.02.1939 wurde er mit den städtebaulichen Maßnahmen für Bayreuth beauftragt, am 22.09.1939 Mitglied des Verteidigungsausschusses der Wehrkreise IX und XIII. Weitere Ämter waren:  Gauwohnungskommissar im Gau Bayerische Ostmark (15.11.1940 - 19.04.1945), Beauftragter des GBA (Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz) für den Gau Bayerische Ostmark (06.04.1942 - 19.04.1945), Reichsverteidigungskommissar für den Gau Bayerische Ostmark (16.11.1942 - 19.04.1945), Beauftragter für die Schulerziehung in der "Kinderlandverschickung" (1943 - 19.04.1945) und Führer des Deutschen Volkssturms im Gau Bayreuth (25.09.1944 - 19.04.1945).(3)


Am 12.04.1945, nur zwei Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner in Bayreuth, floh Wächtler aus der Stadt nach Herzogau, woraufhin er am 19.04.1945 "mit sofortiger Wirkung aus der Partei ausgeschlossen und seiner Ämter enthoben" wurde. Wegen „Feigheit vor dem Feinde und wegen Verlassens der Gauhauptstadt" wurde er noch am selben Tag auf Befehl von Martin Bormann und Ludwig Ruckdeschel durch ein SS-Kommando erschossen. Ruckdeschel war hierzu am frühen Morgen des 19. April mit 35 SS-Männern vor Wächtlers Hotel vorgefahren, er ließ Wächtler an den nächsten Baum stellen und von dem Kommando erschießen.


Am 17.02.1949 stufte die Hauptspruchkammer Ansbach Fritz Wächtler posthum und unter Einziehung des Gesamtvermögens in die Gruppe I ("Hauptschuldige") ein.

 
Gau

Fritz Wächtler
Bildnachweis: Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek,
Fotoarchiv Hoffmann, Bildnummer: hoff-3924/ port-009724.

(1) Bernhard Post, Volker Wahl (Hrsg.): Thüringen-Handbuch. Territorium, Verfassung, Parlament, Regierung und Verwaltung in Thüringen 1920 bis 1995

(2) Quelle: Lilla, Statisten Nr. 1197; Verwaltungshandbuch Bayerische Landesbibliothek Online

(3) Quelle: Lilla, Statisten Nr. 1197; Verwaltungshandbuch Bayerische Landesbibliothek Online

Ludwig Ruckdeschel (Gauleiter ab 19.04.1945)

Ludwig Ruckdeschel (* 15. 03. 1907 in Bayreuth, † 08.11.1986 in Wolfsburg), evang., ab 15.11.1936 gottgläubig, besuchte von 1913 bis 1921 die Volksschule in Bayreuth, von 1921 bis 1924 absolvierte er eine kaufmännische Lehre bei der Firma Stummbaum & Co. in Bayreuth. Von Mai 1921 bis April 1923 besuchte er zugleich die Handelsschule in Bayreuth, bevor er von 1924 bis 30.09.1928 als kaufmännischer Angestellter (Korrespondent, Disponent) und Geschäftsführer in Bayreuth und Regensburg tätig war.
 

Ab 01.10.1928 war er hauptamtlicher Politischer Leiter der NSDAP, im Zeitraum 01.10.1928 bis Sept. 1932 Gaugeschäftsführer, Gaupropagandaleiter und Gauschatzmeister der Gauleitung Oberfranken der NSDAP, ab 01.10.1928 ständiger Stellvertreter des Gauleiters des Gaus Oberfranken der NSDAP. Im Jahr 1930 gründete er die Deutsche Buchhandlung in Bayreuth, ab Januar 1931 war er Herausgeber der Bayreuther Wochenzeitung "Kampf (für deutsche Freiheit und Kultur)" (01.05.1933 in "Braune Sonntagszeitung" umbenannt).

Ab 01.02.1933 und bis Juni 1941 war Ruckdeschel stellvertretender Gauleiter des Gaus Bayerische Ostmark (Gau Bayreuth) der NSDAP, nach dem Unfalltod Schemms vom 06.03. – 05.12.1935 kommissarisch mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Gauleiters des Gaus Bayreuth der NSDAP beauftragt.

Am 01.04.1940 wurde Ruckdeschel als SS-Mann zur SS-Totenkopf-Division einberufen, 17.07.1940 SS-Unterscharführer d.R. der Waffen-SS, 25.07.1941 als Unteroffizier d. R. zum Propaganda-Ersatzbataillon eingezogen, 16.10.1941 aus der Wehrmacht entlassen, 09.11.1941 SS-Brigadeführer, 01.12.1941 zur Kriegsberichter-Abteilung der Waffen-SS einberufen, 16.12.1941 SS-Untersturmführer d. R. der Waffen-SS (mit Wirkung vom 01.12.1941, Beförderungsurkunde vom 02.01.1942), 1942 zur Ergänzungsstelle Main der Waffen-SS versetzt, 02.05.1942 zum Ersatzbataillon der Leibstandarte-SS "Adolf Hitler" einberufen, 05.05.1942 zur Panzer-Abteilung der Leibstandarte-SS "Adolf Hitler" versetzt, 01.05.1943 Chef der 6. Kompanie der II. Panzer-Abteilung des SS-Panzer-Regiments 12 "Hitlerjugend", 10.05.1943 SS-Obersturmführer d.R. der Waffen-SS (mit Wirkung vom 20.04.1943), 21.06.1944 Hauptsturmführer d.R. der Waffen-SS.(1)


Am 27.06.1944 wurde Ruckdeschel schwer verwundet (Verlust des rechten Arms), 27.09.1944 vom Generalkommando I. SS-Panzerkorps "Leibstandarte" zum SS-Panzer-Ausbildungs- und Ersatz-Regiment versetzt (Dienstantritt nach Lazarettentlassung), 09.11.1944 Sturmbannführer d.R. der Waffen-SS, Januar bis 16.04.1945 Inspekteur West des Deutschen Volkssturms und Mitglied des Stabs des Oberbefehlshabers West, 30.01.1945 SS-Sturmbannführer d.R. der Waffen-SS.


Am 19.04.1945 ließ er auf Befehl von Martin Bormann den ihm vorgesetzten Gauleiter Fritz Wächtler erschießen, ab demselben Tag übernahm er selbst das Amt des Gauleiters des Gaus Bayreuth der NSDAP und des Reichsverteidigungskommissars.

Am 20.08.1947 wurde er in Untersuchungshaft genommen,1948 zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. Verfahrensgegenstand war aber nicht die Erschießung Wächtlers, sondern die Aburteilung (durch ein Standgerichtsverfahren) und öffentliche Hinrichtung zweier Regensburger Bürger, darunter des Regensburger Dompredigers Dr. Meier, weil sie sich an einer Kundgebung zur kampflosen Übergabe der Stadt beteiligt hatten. Nach seiner Haftentlassung im Jahr 1952 fand er bei VW in Wolfsburg eine Anstellung.(2)

 
Gau

Ludwig Ruckdeschel
Bildnachweis: Reichstagshandbuch 1938, S. 530 (-> Digitalisat)

(1) Quelle: Lilla, Statisten Nr. 906; Verwaltungshandbuch Bayerische Landesbibliothek Online

(2) Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 5. aktualisierte Auflage, S. 512